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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
19. Vortrag.

1.

Im vorausgehenden Vortrag haben wir nach dem Maß der Anregung unseres Gemütes und unserer armseligen Erkenntnis aus Anlaß der Worte des Evangeliums, wo es heißt: "Der Sohn kann nichts von sich selbst tun, als was er den Vater tun sieht", darüber gesprochen, was das Sehen des Sohnes sei, d.h. das Sehen des Wortes, weil der Sohn das Wort ist; und, weil durch das Wort alles gemacht worden ist, wie es zu verstehen sei, daß der Sohn zuerst den Vater wirken sieht, dann schließlich selber tut, was er hat tun sehen, da doch der Vater alles nur durch den Sohn getan hat. Denn "alles ist durch ihn gemacht worden und ohne ihn ist nichts gemacht worden". Wir haben jedoch nichts zur Erklärung gesagt, weil wir eben keine Erklärung ausfindig gemacht haben. Versagt ja bisweilen die Rede dann, wo sogar die Erkenntnis voranschreitet; um wieviel mehr leidet die Rede an einem Mangel, wenn das Verständnis keinen Fortschritt gemacht hat? Nunmehr also wollen wir, soweit es der Herr gibt, das Lesestück kurz durchnehmen und wenigstens heute die schuldige Aufgabe erfüllen. Wenn etwa soviel Zeit oder Kraft übrig bleibt, werden wir nach bestem Können1 nochmal davon handeln, was es heiße: Das Wort sieht, dem Worte wird etwas gezeigt. Lauter solche Dinge werden nämlich hier gesagt, daß, wenn sie gemäß der menschlichen Auffassung fleischlich verstanden werden, die von Sinnenbildern erfüllte Seele uns nichts anderes vorstellt als gewisse Bilder, wie jenes von zwei Menschen eines Vaters und eines Sohnes, von welchen der eine etwas zeigt, der andere zuschaut, der eine spricht, der andere zuhört; Was alles Götzenbilder des Herzens sind, und wenn diese bereits aus ihren Tempeln hinausgeworfen sind, um wieviel mehr müssen sie aus christlichen Herzen hinausgeworfen werden?

1: sofern es sowohl von uns als auch bei euch möglich ist

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger