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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
18. Vortrag.

2.

Erregt also und entrüstet waren die Juden; mit Recht zwar darüber, daß ein Mensch es wagte, sich Gott gleich zu machen, aber deshalb mit Unrecht, weil sie in dem Menschen nicht Gott erkannten. Das Fleisch sahen sie, Gott erkannten sie nicht; die Wohnung schauten sie, der Bewohner blieb ihnen unbekannt. Jenes Fleisch war ein Tempel, Gott wohnte darin. Nicht das Fleisch also stellte er dem Vater gleich, nicht die Knechtsgestalt verglich er mit dem Herrn, nicht das, was er unsertwegen geworden ist, sondern was er war, da er uns erschuf. Denn wer Christus ist ich rede zu Katholiken wißt ihr, weil ihr den richtigen Glauben habt; nicht bloß das Wort und nicht bloß Fleisch, sondern das Wort ist Fleisch geworden, um unter uns zu wohnen. Ich führe vom Worte an, was ihr wißt: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort"; hier ist die Gleichheit mit dem Vater. Aber "das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt"; mit Rücksicht auf dieses Fleisch ist der Vater größer. So ist der Vater einerseits gleich, anderseits größer: gleich dem Worte, größer als das Fleisch; dem gleich, durch welchen er uns erschaffen hat, größer als der, welcher unsertwegen geschaffen wurde. An dieser gesunden katholischen Regel, die ihr ganz besonders kennen müßt, die ihr festhalten sollt, ihr, die ihr sie kennt, von der euer Glaube durchaus nicht abweichen darf, die durch keinerlei Einwendungen der Menschen aus eurem Herzen gerissen werden darf, wollen wir das messen, was wir verstehen, und was wir vielleicht nicht verstehen, wollen wir als einen Gegenstand, der an dieser Regel zu messen ist, vorläufig verschieben, bis wir tüchtig sein werden. Wir wissen also, daß der Sohn Gottes dem Vater gleich ist, weil wir wissen, daß am Anfang das Wort Gott war. Warum also "wollten die Juden ihn töten? Weil er nicht bloß den Sabbat brach, sondern auch Gott seinen Vater nannte, sich Gott gleichmachend"; denn sie sahen das Fleisch, das Wort sahen sie nicht. Es möge also auch gegen sie das Wort reden durch das Fleisch und der innere Bewohner aus seiner Wohnung sich vernehmen lassen, damit, wer kann, erkenne, wer drinnen wohnt.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger