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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
14. Vortrag.

13.

Das fleischliche Denken faßt nicht, was ich sage; es verschiebe das Verständnis und fange beim Glauben an, es höre, was folgt: "Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben; wer aber dem Sohne nicht glaubt, wird das Leben nicht haben, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm". Er sagt nicht: Der Zorn Gottes kommt über ihn, sondern "der Zorn Gottes bleibt über ihm". Alle, die als Sterbliche geboren werden, haben den Zorn Gottes auf sich. Welchen Zorn Gottes? Der auf dem ersten Adam ruhte. Wenn nämlich der erste Mensch gesündigt hat, so hat er auch gehört: "Du wirst des Todes sterben"1 ; er ist sterblich geworden, und wir werden schon als sterblich geboren, wir sind mit dem Zorn Gottes geboren. Darum kam der Sohn, ohne eine Sünde zu haben, und kleidete sich ins Fleisch, kleidete sich in die Sterblichkeit. Wenn er mit uns am Zorne Gottes teilnahm, sind wir so träge, mit ihm an der Gnade Gottes teilzunehmen? Wer also an den Sohn nicht glaubt, "über dem bleibt der Zorn Gottes". Was für ein Zorn Gottes? Jener, von dem der Apostel spricht: "Auch wir waren von Natur aus Kinder des Zornes wie auch die übrigen"2 . Alle also sind Kinder des Zornes, weil sie vom Fluche des Todes kommen. Glaube an Christus, der für dich sterblich geworden ist, damit du ihn, den Unsterblichen, erfassest; denn wenn du seine Unsterblichkeit erfassest, wirst auch du nicht sterblich sein. Er lebte, du starbst; er starb, damit du lebest. Er brachte die Gnade Gottes, nahm den Zorn Gottes weg. Gott besiegte den Tod, damit nicht der Tod den Menschen besiege.

1: Gen 2,17
2: Eph 2,3

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger