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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
13. Vortrag.

8.

"Es erhob sich aber eine Streitfrage unter den Jüngern des Johannes mit den Juden über die Reinigung." Es taufte Johannes, es taufte Christus; die Jünger des Johannes kamen in Erregung, man lief zu Christus, man kam zu Johannes. Denn die zu Johannes kamen, die schickte er zu Jesus, damit sie sich von ihm taufen ließen; dagegen wurden die nicht zu Johannes geschickt, die von Christus getauft wurden. Die Jünger des Johannes wurden verwirrt und fingen an, mit den Juden die Streitfrage zu verhandeln, wie es eben zu gehen pflegt. Du kannst dir denken, daß die Juden gesagt haben, Christus sei größer und man müsse zu seiner Taufe gehen. Jene verteidigten, da sie noch nicht die richtige Einsicht hatten, die Taufe des Johannes. Man kam zu Johannes selbst, damit er die Frage löse. Eure Liebe verstehe. Auch hier erkennt man den Nutzen der Demut, und es zeigt sich, ob gerade in der Frage, da die Menschen irrten, Johannes sich Ruhm bereiten wollte. Denn vielleicht hat er gesagt: Ihr habt recht, ihr eifert mit Grund, meine Taufe ist vorzüglicher. Denn damit ihr wisset, daß meine Taufe vorzüglicher ist, Christus selbst habe ich getauft. Johannes konnte dies sagen, da er Christus getauft hatte. Ein wie weites Feld hätte er gehabt, sich groß zu machen, wenn er die Absicht gehabt hätte, sich groß zu machen? Aber er wußte besser, vor wem er sich verdemütigen sollte; von dem er wußte, daß er ihm der Geburt nach vorgehe, dem wollte er durch sein Bekenntnis nachstehen; er erkannte, daß sein Heil in Christsus sei. Schon hatte er im früheren gesagt: "Wir alle haben aus seiner Fülle empfangen"1 ; auch das heißt Gott bekennen. Denn wie sollen alle aus seiner Fülle empfangen, wenn er nicht Gott ist? Denn wenn er so Mensch ist, daß er nicht Gott ist, dann empfängt auch er aus der Fülle Gottes, und so ist er nicht Gott. Wenn aber alle aus seiner Fülle empfangen, so ist er die Quelle, jene trinken. Die aus der Quelle trinken, können sowohl Durst haben wie trinken; die Quelle hat niemals Durst, die Quelle bedarf ihrer selbst nicht. Die Menschen bedürfen der Quelle, mit trockenem Schlund laufen sie zur Quelle, um sich zu laben; die Quelle fließt, um zu laben; so der Herr Jesus.

1: Joh 1,16

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger