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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
13. Vortrag.

3.

Doch Johannes möge noch etwas deutlicher sagen, daß unser Herr Jesus Christus Gott ist. Wir wollen das in dem gegenwärtigen Lesestück finden, denn vielleicht haben wir auch von ihm gesungen: "Gott herrscht über die ganze Erde" wogegen die taub sind, die da meinen, er herrsche nur in Afrika [die Donatisten]. Denn sicher ist es von Christus gesagt, wenn es heißt: "Gott herrscht über die ganze Erde". Denn wer anders ist unser König als unser Herr Jesus Christus? Er ist unser König. Und was habt ihr in demselben Psalme gehört, dessen letzter Vers eben gesungen wurde? "Lobsinget unserm Gott, lobsinget; lobsinget unserm König, lobsinget." Den er Gott nannte, denselben nannte er unsern König. "Lobsinget unserm Gott, lobsinget; lobsinget unserm König, lobsinget verständig."Damit du den, dem du lobsingst, nicht in einem Teile denkest, [heißt es]: "Denn König der ganzen Erde ist Gott"1 . Und wie ist der König der ganzen Erde, der in einem Teile der Erde gesehen wurde, in Jerusalem, in Judäa, unter den Menschen wandelnd, geboren, saugend, wachsend, essend, trinkend, wachend, schlafend, ermüdet am Brunnen sitzend, gefangen, gegeißelt, angespieen, mit Dornen gekrönt, am Kreuze aufgehangen, mit einer Lanze durchbohrt, gestorben, begraben? Wie also ist der König der ganzen Erde? Was an einem Orte gesehen wurde,war Fleisch; dem fleischlichen Auge zeigte sich das Fleisch; in dem sterblichen Fleische war die unsterbliche Majestät verborgen. Und mit welchen Augen wird man den fleischlichen Organismus durchdringen und die unsterbliche Majestät anschauen können? Es gibt noch ein anderes Auge, es gibt noch ein inneres Auge. Denn auch Tobias hatte ohne Zweifel Augen, da er, blind an den körperlichen Augen, dem Sohne Vorschriften für das Leben gab2 . Dieser hielt dem Vater die Hand, damit er mit den Füßen gehen konnte; jener gab dem Sohne Ratschläge, damit er den Weg der Gerechtigkeit einschlagen konnte. Hier sehe ich Augen und dort sehe ich Augen. Und besser sind die Augen desjenigen, der Ratschläge für das Leben gibt, als die Augen desjenigen, der die Hand hält. Solche Augen suchte auch Jesus, als er zu Philippus sprach: So lange bin ich bei euch, und ihr habt mich nicht erkannt?" Solche Augen suchte er, als er sprach: "Philippus, wer mich sieht, der sieht auch den Vater"3 . Diese Augen sind im Verstande, diese Augen sind im Geiste. Nachdem es darum im Psalme geheißen hat: "Denn König der ganzen Erde ist Gott", heißt es weiter: "Lobsinget verständig". Denn wenn ich sage: "Lobsinget unserm Gott, lobsinget", so meine ich mit Gott unsern König. Aber unsern König habt ihr als Mensch unter Menschen gesehen, ihr habt ihn gesehen, leidend, gekreuzigt, gestorben; in jenem Fleische, das ihr mit körperlichen Augen sehen konntet, war etwas verborgen. Was war dort verborgen? "Lobsinget verständig"; suchet nicht mit den Augen, was man nur mit dem Geiste sieht. "Lobsinget" mit der Zunge, weil er unter euch Fleisch war; aber weil "das Wort Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat", so widmet dem Fleische den Schall [der Worte], widmet Gott den Aufblick des Geistes. "Lobsinget verständig", und ihr sehet, daß "das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt"4 .

1: Ps 46,3.7.8
2: Tob 4
3: Joh 14,9
4: Joh 1,14

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger