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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
13. Vortrag.

17.

Niemand komme euch also mit Geschichten wie: Pontius hat ein Wunder gewirkt, Donatus hat gebetet und Gott hat ihm geantwortet vom Himmel her. Fürs erste. entweder sie werden getäuscht oder sie täuschen. Schließlich, laß ihn Berge versetzen. "Habe ich aber, heißt es, die Liebe nicht, so bin ich nichts. Sehen wir, ob er die Liebe gehabt habe. Ich würde es glauben, wenn er nicht die Einheit der Kirche zerrissen hätte. Denn auch gegen diese Wundertäter [mirabiliarios], um mich so auszudrücken, hat mich mein Gott vorsichtig gemacht, indem er sagt: "In den letzten Tagen werden falsche Propheten aufstehen und werden Zeichen und Wunder tun, um, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten in Irrtum zu führen; siehe, ich habe es euch vorhergesagt"1 . Also vorsichtig hat uns der Bräutigam gemacht, weil wir uns auch durch Wunder nicht täuschen lassen sollen. Bisweilen nämlich schreckt auch ein Fahnenflüchtiger einen Landbewohner; aber ob er im Lager sei und ihm jenes Abzeichen etwas nütze, mit dem er versehen ist, darauf achtet der, welcher sich nicht schrecken und verführen lassen will. Halten wir also die Einheit fest, meine Brüder; außerhalb der Einheit ist auch der, welcher Wunder tut, nichts. Denn in der Einheit war das Volk Israel und tat keine Wunder, außerhalb der Einheit waren die Zauberer des Pharao und taten Ähnliches wie Moses2 . Das Volk Israel, wie gesagt, tat keine Wunder. Welche fanden Rettung bei Gott, die Wunder taten oder die keine taten? Der Apostel Petrus erweckt einen Toten3 , der Zauberer Simon tat vieles4 ; es gab da manche Christen, die nicht imstande waren zu tun, weder was Petrus tat, noch was Simon tat; aber worüber freuten sie sich? Daß ihre Namen im Himmel geschrieben waren. Denn, als die Jünger zurückkehrten, sagte dies der Herr wegen des Glaubens der Völker. Es sprachen nämlich die Jünger, sich rühmend: "Siehe, Herr, in deinem Namen sind uns die bösen Geister unterworfen". Sie haben zwar ein schönes Bekenntnis abgelegt, sie gaben dem Namen Christi die Ehre, und doch, was sagt er zu ihnen? "Rühmet euch nicht deswegen, weil euch die bösen Geister unterworfen sind, sondern freut euch, daß eure Namen im Himmel geschrieben sind"5 . Petrus hat böse Geister ausgetrieben, dieses oder jenes alte Mütterchen, dieser oder jener Laie, der im Besitze der Liebe, im Besitze eines unversehrten Glaubens ist, tut das nicht; Petrus ist im Leibe [der Kirche] Auge, jener im Leibe [der Kirche] Finger; er ist aber in demselben Leibe wie Petrus; und wenn auch der Finger weniger wert ist als das Auge, so ist er doch vom Leibe nicht getrennt. Es ist besser, Finger zu sein und im Leibe zu sein, als Auge zu sein und vom Leibe losgerissen zu werden.

1: Mk 13,22 f.
2: Ex 7,12.22; 8,7
3: Apg 9,4o
4: Apg 8,1o
5: Lk 10,17-20

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger