Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium) 13. Vortrag.
10. Höre noch ein viel kräftigeres, ein viel deutlicheres Zeugnis. Sehet, wie es um uns steht; sehet, was wir lieben sollen, sehet, daß es ein Treubruch ist, einen Menschen zu lieben statt Christus. Warum sage ich dies? Achten wir auf die Stimme des Johannes; man konnte sich in ihm irren, man konnte ihn für den halten, der er nicht war; er weist falsche Ehren von sich, um die korrekte Wahrheit festzuhalten. Sehet, wie er Christus, wie er sich selbst nennt: "Wer die Braut hat, ist der Bräutigam". Seid keusch, liebet den Bräutigam. Was aber bist du, der du uns sagst: "Wer die Braut hat, ist der Bräutigam"? "Der Freund des Bräutigams aber, welcher dasteht und ihn hört, freut sich hoch wegen der Stimme des Bräutigams": Der Herr unser Gott möge mir in Anbetracht der Ergriffenheit meines Herzens denn es ist voll von Seufzern beistehen, um zu sagen, was ich schmerzlich empfinde, aber ich beschwöre euch bei Christus selbst, daß, was ich nicht sagen kann, ihr hinzudenken möget; denn ich weiß, daß mein Schmerz sich nicht genügend ausdrücken läßt. Ich sehe nämlich viele Treubrüchige, welche die so teuer erkaufte Braut, die, um sie schön zu machen, als Häßliche geliebt wurde von ihm, dem Käufer, dem Befreier, dem Verschönerer, besitzen wollen, und sie gehen mit ihren Reden darauf aus, daß sie statt des Bräutigams geliebt werden. Von diesen heißt es: "Dieser ist es, welcher tauft"1 . Wer tritt hervor und sagt: Ich taufe? Wer tritt hervor und sagt: Was ich gebe, das ist heilig? Wer tritt hervor und sagt: Es ist gut für dich, daß du aus mir geboren wirst? Hören wir den Freund des Bräutigams, nicht jene, welche dem Bräutigam die Treue gebrochen haben; hören wir ihn eifern, aber nicht für sich.
1: Joh 1,33
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