Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium) 6. Vortrag.
23. Doch was sagst du? Siehe, wir erdulden viel Böses. Ja, wenn ihr das für Christus dulden würdet, nicht für eure Ehre. Höret, was folgt. Sie brüsten sich nämlich manchmal, daß sie viel Almosen spenden, den Armen geben, daß sie Ungemach erdulden, aber für Donatus, nicht für Christus. Siehe zu, wie du duldest; denn wenn du für Donatus duldest, duldest du für einen Stolzen; du bist nicht in der Taube, wenn du für Donatus duldest. Dieser war kein Freund des Bräutigams; denn wäre er ein Freund des Bäutigams gewesen, so würde er die Ehre des Bräutigams, nicht die eigene gesucht haben1 . Siehe der Freund des Bräutigams sagt: "Dieser ist es, welcher tauft". Der war kein Freund des Bräutigams, für den du duldest. Du hast kein hochzeitliches Kleid, und wenn du zum Gastmahl kommst, so hast du zu gewärtigen, daß du hinausgeworfen wirst2 , oder vielmehr weil du bereits hinausgeworfen bist, deshalb bist du bejammernswert; kehre doch einmal zurück und rühme dich nicht. Höre, was der Apostel sagt: "Wenn ich all das Meinige den Armen schenke und meinen Leib zum Verbrennen dahingebe, die Liebe aber nicht habe". Siehe, was du nicht hast. Wenn ich meinen Leib", sagt er, "zum Verbrennen dahingebe", natürlich für den Namen Christi; allein weil es viele gibt, die aus Ruhmsucht das tun, nicht in Liebe, darum:"Wenn ich meinen Leib zum Verbrennen dahingebe, die Liebe aber nicht habe, so nützt es mir nichts"3 . Aus Liebe haben dies die Märtyrer getan, welche in der Zeit der Verfolgung litten, aus Liebe haben sie es getan: diese aber tun es aus Aufgeblasenheit und Stolz; denn da es an einem Verfolger fehlt, stürzen sie sich selbst in den Abgrund. Komm also, damit du die Liebe habest. Aber wir haben doch Märtyrer! Welche Märtyrer? Es sind keine Tauben, darum suchten sie zu fliegen und stürzten vom Felsen herab [die Zirkumzellionen].
1: Joh 8,29 2: Mt 22,11 ff. 3: 1 Kor 13,2f.
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