Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium) 6. Vortrag.
1. Ich gestehe eurer Heiligkeit, ich habe gefürchtet, diese Kälte möchte euch kaltsinnig machen, so daß ihr nicht hierher kämet; allein weil ihr durch diesen starken und zahlreichen Besuch bewiesen habt, daß ihr im Geiste warm seid, so zweifle ich nicht, daß ihr auch für mich gebetet habt, damit ich tue, was ich schuldig bin. Denn ich hatte versprochen, im Namen Christi heute darzulegen da der Mangel an Zeit kürzlich eine eingehendere Erklärung verhinderte, warum Gott den Heiligen Geist in Gestalt einer Taube zeigen wollte. Damit dies erklärt werde, ist der heutige Tag für uns angebrochen, und ich sehe, daß ihr euch in Hörbegierde und andächtiger Gesinnung zahlreicher eingefunden habt. Eure Erwartung erfülle Gott durch unsern Mund. Denn aus Liebe seid ihr gekommen, aber was habt ihr geliebt? Wenn uns, auch das ist gut; denn wir wollen von euch geliebt werden, aber wir wollen es nicht in uns. Weil wir euch also in Christus lieben, so liebet auch ihr uns in Christus, und unsere Liebe seufze füreinander zu Gott, denn das ist das Seufzen der Taube.
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