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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
5. Vortrag.

15.

Noch wandeln wir in der Finsternis dieses Lebens an der Leuchte des Glaubens; halten auch wir uns an die Leuchte Johannes; beschämen auch wir damit die Feinde Christi; oder vielmehr er beschäme seine Feinde durch seine Leuchte. Fragen auch wir, was der Herr die Juden fragte, fragen wir und sagen wir: Woher ist die Taufe des Johannes? Vom Himmel oder von den Menschen? Was werden sie sagen? Sehet, ob nicht auch sie als Feinde durch die Leuchte beschämt werden. Was werden sie sagen? Wenn sie sagen: Von den Menschen, so werden selbst die Ihrigen sie steinigen; wenn sie aber sagen: Vom Himmel, so sagen wir zu ihnen: Warum also habt ihr ihm nicht geglaubt? Sie sagen vielleicht: Wir glauben ihm. Wie saget ihr nun aber, daß ihr tauft, und Johannes sagt doch: „Dieser ist es, welcher tauft“. Aber die Diener eines so großen Richters, sagen sie, müssen gerecht sein, um taufen zu können. Auch ich sage, und alle sagen wir, daß die Diener eines so großen Richters gerecht sein müssen; die Diener seien gerecht, wenn sie wollen; wenn aber die, welche auf dem Stuhle des Moses sitzen, nicht gerecht sein wollen, so macht mich mein Meister sicher, [S. 82] von welchem sein Geist gesagt hat: „Dieser ist es, welcher tauft“. Wie hat er mich sicher gemacht? „Die Schriftgelehrten und Pharisäer“, sagt er, „sitzen auf dem Stuhle des Moses; was sie sagen, das tut; was sie aber tun, das tut nicht; denn sie sagen es und tun es nicht“1. Wenn ein Diener gerecht ist, rechne ich ihn zu Paulus, rechne ich ihn zu Petrus; zu diesen rechne ich die gerechten Diener, weil wahrhaft gerechte Diener nicht ihre Ehre suchen; denn sie sind Diener, sie wollen nicht für die Richter gehalten werden; sie schaudern zurück, daß man die Hoffnung auf sie setze; also zu Paulus rechne ich einen gerechten Diener. Denn was sagt Paulus? „Ich habe gepflanzt, Apollo hat begossen, aber der Herr gab das Wachstum; weder der pflanzt ist etwas, noch wer begießt, sondern der das Wachstum gibt, Gott“2. Wer aber ein stolzer Diener ist, wird zum Teufel gerechnet; allein die Gabe Christi wird nicht befleckt, sie fließt durch ihn rein, geht durch ihn hindurch und kommt klar zum fruchtbaren Erdreich. Angenommen auch, daß er selbst steinern sei und aus dem Wasser keine Frucht hervorbringen könne, das Wasser geht auch durch einen steinernen Kanal, das Wasser gelangt zu den Beeten; im steinernen Kanal erzeugt es nichts, bringt aber doch den Gärten gar viele Frucht. Denn die geistige Kraft des Sakramentes ist wie ein Licht, sie wird von den zu Erleuchtenden rein aufgenommen und, wenn sie durch Unreine geht, nicht befleckt. Die Diener sollen freilich gerecht sein und nicht ihre Ehre suchen, sondern die Ehre desjenigen, dessen Diener sie sind; sie sollen nicht sagen: Meine Taufe ist es, weil sie nicht die ihrige ist. Sie sollen auf Johannes hinschauen. Siehe, Johannes war voll des Heiligen Geistes und hatte die Taufe vom Himmel, nicht von den Menschen, aber inwiefern hatte er sie? Er selbst hat gesagt: „Bereitet den Weg dem Herrn“3. Sobald aber der Herr erkannt war, ist dieser selbst der Weg geworden; es bedurfte nicht mehr der Taufe des Johannes, um durch sie den Weg zu bereiten.

1: Matth. 23, 2 f.
2: 1 Kor. 3, 6.
3: Joh. 1, 23.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger