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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
5. Vortrag.

12.

Warum erfuhr Johannes durch die Einfalt der Taube, daß „dieser es ist, welcher tauft im Heiligen Geiste“, meine Brüder, wenn nicht eben jene keine Tauben waren, welche die Kirche verunreinigten? Habichte waren sie, Geier waren sie. Die Taube zerfleischt nicht. Du siehst, wie jene uns anfeinden, gleich als ob es sich um Verfolgungen handelte, die sie erlitten haben. In körperlicher Beziehung haben sie zwar gewissermaßen Verfolgungen erlitten, obwohl es Geißeln des Herrn waren, der sie offenbar auf eine Zeitlang züchtigte, um sie nicht ewig verdammen zu müssen, falls sie die Züchtigung nicht erkennen und sich nicht bessern. Jene verfolgen die Kirche in Wahrheit, die sie mit Arglist verfolgen; jene treffen schwerer das Herz, welche mit dem Schwerte der Zunge verwunden; jene vergießen gefährlicher Blut, welche Christus, soviel an ihnen liegt, im Menschen töten. In Schrecken gesetzt scheinen sie gewissermaßen durch das Urteil der Obrigkeit. Was tut dir die Obrigkeit, wenn du gut bist? Wenn du aber böse bist, so fürchte die Obrigkeit: „Denn nicht umsonst trägt sie das Schwert“, sagt der Apostel1. Ziehe nur du nicht dein Schwert, womit du Christus triffst. Christ, was verfolgst du am Christen? Was hat in dir der Kaiser verfolgt? Das Fleisch hat er verfolgt; du verfolgst im Christen den Geist. Du tötest nicht das Fleisch. Und doch schonen sie auch das Fleisch nicht; so viele sie konnten, haben sie durch Niederhauen ums [S. 78] Leben gebracht; weder die Ihrigen noch Fremde haben Schonung bei ihnen gefunden2. Das ist allgemein bekannt. Gehässig ist die Obrigkeit, weil sie gesetzmäßig ist; gehässig handelt der, welcher nach Recht handelt; ohne Gehässigkeit handelt der, welcher gegen die Gesetze handelt. Es sehe ein jeder von euch, meine Brüder, was der Christ hat. Daß er ein Mensch ist, hat er mit vielen gemeinsam; daß er ein Christ ist, unterscheidet ihn von vielen; und mehr geht ihn an, daß er ein Christ ist, als daß er ein Mensch ist. Denn dadurch, daß er ein Christ ist, wird er erneuert zum Bilde Gottes, von dem der Mensch geschaffen ist zum Bilde Gottes3, sofern er aber ein Mensch ist, könnte er auch ein Bösewicht, könnte er auch ein Heide, könnte er auch ein Götzendiener sein. Du verfolgst im Christen sein Besseres, denn du willst ihm das rauben, wodurch er lebt. Er lebt nämlich in zeitlicher Beziehung durch den Lebensgeist, wodurch der Leib belebt wird; er lebt aber für die Ewigkeit durch die Taufe, welche er vom Herrn empfangen hat; du willst ihm das rauben, was er vom Herrn empfangen hat; du willst ihm das rauben, wodurch er lebt. Die Räuber wollen die, welche sie berauben, so berauben, daß sie selbst mehr haben und jene nichts haben; du beraubst diesen und hast selbst nicht mehr; denn dir wird nicht mehr zuteil, weil du diesen beraubst. Aber in der Tat tun sie das, was die tun, welche das Leben nehmen; dem anderen nehmen sie es, und sie selbst haben kein doppeltes Leben.

1: Röm. 13, 4.
2: Gemeint sind vornehmlich die Zirkumzellionen, eine Fraktion der Donatisten.
3: Kol. 3, 10.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger