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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
3. Vortrag.

2.

Wir sind Menschen, und zwar Christen. Das glaube ich eurer Liebe nicht erst lange nachweisen zu müssen, und wenn wir Christen sind, dann gehören wir schon durch den Namen zu Christus. Sein Zeichen tragen wir an der Stirne, und wir werden uns dessen nicht schämen, wenn wir es auch im Herzen tragen. Sein Zeichen ist seine Erniedrigung. Durch einen Stern haben [S. 33] ihn die Weisen erkannt1, und es war dieses vom Herrn gegebene Zeichen himmlisch und glänzend; er wollte nicht, daß ein Stern auf der Stirne der Gläubigen sein Zeichen sei, sondern sein Kreuz (sollte es sein). Wo seine Erniedrigung hervortrat, da nahm seine Verherrlichung ihren Anfang; dort richtete er die Niedrigen empor, wohin er erniedrigt selbst hinabstieg. Wir gehören also zum Evangelium, wir gehören zum Neuen Bunde. „Das Gesetz ist uns durch Moses gegeben worden, Gnade und Wahrheit aber ist uns durch Christus geworden.“ Fragen wir den Apostel, und er sagt uns, daß wir nicht unter dem Gesetze sind, sondern unter der Gnade2. „Er sandte also seinen Sohn, geboren von einem Weibe, untergeben dem Gesetze, um die, welche unter dem Gesetze waren, zu erlösen, damit wir an Kindes Statt angenommen würden“3. Sehet also, dazu kam Christus, um die, welche unter dem Gesetze waren, zu erlösen, damit wir nicht mehr unter dem Gesetze wären, sondern unter der Gnade. Wer also hat das Gesetz gegeben? Jener hat das Gesetz gegeben, der auch die Gnade gegeben hat; aber das Gesetz sandte er durch einen Diener, mit der Gnade stieg er selbst hernieder. Und wie sind die Menschen unter das Gesetz gekommen? Dadurch, daß sie das Gesetz nicht erfüllten. Denn wer das Gesetz erfüllt, ist nicht unter dem Gesetze, sondern mit dem Gesetze; wer aber unter dem Gesetze ist, wird durch das Gesetzt nicht aufgerichtet, sondern gedrückt. Alle unter dem Gesetze stehenden Menschen also macht das Gesetz zu Schuldigen, und dazu ist es über ihrem Haupte, um die Sünden zu offenbaren, nicht sie hinwegzunehmen. Das Gesetz also befiehlt, der Geber des Gesetzes erbarmt sich in dem, was das Gesetz befiehlt. Indem die Menschen versuchten mit eigenen Kräften das zu erfüllen, was vom Gesetze vorgeschrieben ist, sind sie gerade durch ihr verwegenes und voreiliges Selbstvertrauen zu Fall gekommen und waren so nicht mit dem Gesetze, sondern sind unter das [S. 34] Gesetz geraten als Schuldige. Und weil sie mit eigenen Kräften das Gesetz nicht erfüllen konnten, haben sie, als Schuldige unter dem Gesetze stehend, die Hilfe des Befreiers angerufen; und die Anklage des Gesetzes bewirkte bei den Stolzen das Gefühl der Krankheit. Das Gefühl der Krankheit bei den Stolzen wurde zum Bekenntnis für die Demütigen. Schon bekennen die Kranken, daß sie krank sind; es möchte der Arzt kommen und die Kranken heilen.

1: Matth. 2, 2.
2: Röm. 6, 14.
3: Gal. 4, 4 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger