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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
3. Vortrag.

19.

Vertreibet also aus euren Herzen fleischliche Gedanken, damit ihr in Wahrheit unter der Gnade seid, damit ihr zum Neuen Testamente gehöret. Deshalb wird das ewige Leben verheißen im Neuen Bunde. Leset das Alte Testament und sehet, wie dem noch fleischlichen Volke dasselbe befohlen wurde wie uns. Denn einen Gott zu verehren wird auch uns geboten. „Du sollst den [S. 47] Namen des Herrn deines Gottes nicht eitel nennen“ wird auch uns geboten ― das zweite Gebot. „Du sollst den Sabbat beobachten“ wird uns noch mehr geboten, weil uns die geistige Beobachtung geboten wird. Denn die Juden beobachteten den Tag des Sabbats knechtisch, zur Schwelgerei, zur Trunkenheit. Um wieviel besser würden ihre Frauen Wollarbeit verrichten, als auf den Söllern tanzen. Es sei ferne, Brüder, daß wir sagen, sie beobachteten den Sabbat. Geistig beobachtet den Sabbat der Christ, indem er sich von knechtlicher Arbeit enthält. Denn was heißt sich von knechtlicher Arbeit enthalten? Von der Sünde sich enthalten. Wie beweisen wir das? Frage den Herrn: „Jeder, der Sünde tut, ist ein Knecht der Sünde“1. Also wird uns auch geistig die Beobachtung des Sabbats geboten. Ferner werden alle anderen Gebote uns noch mehr befohlen und deren Vollziehung uns eingeschärft: „Du sollst nicht töten, du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht stehlen, ehre Vater und Mutter, du sollst deines Nächsten Gut nicht begehren, du sollst deines Nächsten Weib nicht begehren“2. Werden alle diese Dinge nicht auch uns geboten? Doch frage nach dem Lohne und du wirst finden, daß es dort heißt: „Damit die Feinde vertrieben werden vor deinem Angesichte und ihr das Land erhaltet, welches Gott euren Vätern verheißen hat“3. Weil sie das Unsichtbare nicht fassen konnten, wurden sie durch Sichtbares gehalten. Warum wurden sie gehalten? Damit sie nicht gänzlich zugrunde gingen und zu den Götzen abfielen. Denn sie taten dies wirklich, meine Brüder, wie zu lesen ist, uneingedenk der so großen Wunder, welche Gott vor ihren Augen wirkte. Das Meer teilte sich; ein Weg entstand mitten in den Fluten, ihre nachfolgenden Feinde wurden durch dieselben Gewässer begraben, durch welche sie hindurchgingen4, und als Moses, der Mann Gottes, aus ihren Augen weggegangen war, verlangten sie ein Götzenbild und sagten: [S. 48] „Mach uns Götter, die uns vorangehen, denn jener Mann hat uns verlassen“5. Ihre ganze Hoffnung beruhte auf einem Menschen, nicht auf Gott. Siehe, der Mann starb; ist etwa auch Gott gestorben, der sie aus dem Lande Ägypten befreit hatte? Und als sie sich das Bild eines Kalbes gemacht hatten, beteten sie es an und sagten: „ Das sind deine Götter, Israel, welche dich aus dem Lande Ägypten befreit haben“. Wie schnell haben sie eine so offenbare Gnade vergessen? Durch welche Mittel also sollte ein solches Volk gehalten werden, als eben durch fleischliche Verheißungen?

1: Joh. 8, 34.
2: Exod. 20, 3―17.
3: Lev. 26, 1 ff.
4: Exod. 14, 21―31.
5: Exod. 32, 1 ff.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger