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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
3. Vortrag.

18.

Dies aber sollt ihr wissen, daß alles, was [S. 46] körperlich gesehen wurde, nicht die Substanz Gottes war. Denn jenes sehen wir mit den Augen des Fleisches, wie aber wird die Substanz Gottes gesehen? Frage das Evangelium: „Selig sind, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott anschauen“1. Es gab Menschen2, welche, durch die Eitelkeit ihres Herzens getäuscht, sagten, der Vater sei unsichtbar, der Sohn aber sichtbar. Wie sichtbar? Wenn durch das Fleisch, da er Fleisch annahm, so ist es ganz klar. Denn von jenen, welche das Fleisch Christi sahen, haben die einen an ihn geglaubt, die anderen ihn gekreuzigt, und die an ihn geglaubt haben, wurden nach seiner Kreuzigung schwankend, und wenn sie nach der Auferstehung das Fleisch nicht berührt hätten, so würde der Glaube nicht zu ihnen zurückgekehrt sein. Wenn also der Sohn wegen des Fleisches sichtbar ist, so geben auch wir das zu, wie es denn katholischer Glaube ist; wenn aber vor dem Fleische, wie jene sagen, d. h. vor seiner Menschwerdung, so reden sie sehr albern und irren sehr. Denn jene sichtbaren Dinge sind geschehen auf körperliche Weise durch das Geschöpf, damit in ihnen ein Sinnbild gezeigt würde; gewiß wurde nicht die Substanz (Gottes) selbst gezeigt und kundgegeben. Möge eure Liebe als bescheidenen Beweis dies beachten: Die Weisheit Gottes kann mit Augen nicht gesehen werden. Brüder, wenn Christus die Weisheit Gottes und die Kraft Gottes ist3, wenn Christus das Wort Gottes ist, das Wort des Menschen aber4 mit Augen nicht gesehen werden kann, kann dann das Wort Gottes so gesehen werden?

1: Matth. 5, 8.
2: Die Arianer.
3: 1 Kor. 1, 24.
4: Das innere Wort (verbum mentis), der Begriff, die Idee.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger