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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
3. Vortrag.

10.

Höre den Apostel Paulus, wo er die Gnade bekennt und hernach den Lohn begehrt. Welches ist das Bekenntnis der Gnade bei Paulus? „Früher war ich ein Lästerer, Verfolger und Schmäher; aber ich habe“, sagt er, „Barmherzigkeit erlangt“1. Unwürdig nennt er sich, die Gnade zu erlangen, dennoch habe er sie erlangt, nicht durch seine Verdienste, sondern durch die Barmherzigkeit Gottes. Höre ihn, wo er bereits den Lohn fordert, obwohl er zuerst die Gnade unverdient empfangen hatte: „Denn ich“, sagt er, „ werde bereits geopfert, und die Zeit meiner Auflösung steht bevor. Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt; im übrigen ist mir die Krone der Gerechtigkeit hinterlegt“. Schon begehrt er den Lohn, schon verlangt er das ihm Gebührende. Denn siehe nur das Folgende: „Die mir der Herr geben wird an jenem Tage, der gerechte Richter“2. Um vorher die Gnade zu [S. 41] erlangen, hatte er den barmherzigen Vater nötig, um den Lohn der Gnade zu erhalten, den gerechten Richter. Der den Gottlosen nicht verdammte, wird der den Gläubigen verdammen? Und doch, wenn du wohl überlegst, so hat Gott zuerst den Glauben gegeben, womit du ihn (Gott) verdientest; denn nicht durch das Deinige hast du verdient, daß dir etwas gebührte. Wenn er also nachher den Lohn der Unsterblichkeit erteilt, so krönt er seine Gaben, nicht deine Verdienste. Also Brüder, „wir alle haben von seiner Fülle empfangen“; von der Fülle seiner Barmherzigkeit, von dem Überflusse seiner Güte haben wir empfangen. Was? Nachlassung der Sünden, damit wir gerechtfertigt würden aus dem Glauben. Und was weiter noch? „Gnade um Gnade“, d. h. für die Gnade, in welcher wir aus dem Glauben leben, sollen wir eine andere erhalten, jedoch eben nur Gnade. Denn wenn ich sage, auch das sei geschuldet, so schreibe ich mir etwas zu, als ob ich ein Recht darauf hätte. Der Herr krönt aber in uns nur die Gaben seiner Barmherzigkeit, jedoch nur, wenn wir in der Gnade, die wir zuerst empfangen haben, beharrlich wandeln.

1: 1 Tim. 1, 13.
2: 2 Tim. 4, 6―8.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger