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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
2. Vortrag.

13.

Allein er fügte hinzu: „Alle aber, die ihn aufnahmen“. Was verlieh er ihnen? Großes Wohlwollen! [S. 28] Große Barmherzigkeit! Er ist als der einzige geboren, und wollte nicht einer bleiben. Viele Menschen nehmen, wenn sie keine Kinder haben, bei vorangeschrittenem Alter andere an Kindes Statt an und tun mit ihrem Willen, was sie vermöge ihrer Natur nicht vermochten: so machen es die Menschen. Wenn aber jemand einen einzigen Sohn hat, so hat er um so mehr Freude an ihm, weil er einmal alles allein besitzen wird und niemand hat, der mit ihm die Erbschaft teile, so daß er ärmer wird. Nicht so Gott: gerade diesen Einzigen, den er gezeugt und durch den er alles erschaffen hatte, sandte er in die Welt, damit er nicht allein wäre, sondern an Kindes Statt angenommene Brüder hätte. Denn wir sind nicht von Gott geboren wie jener Eingeborene, sondern durch seine Gnade an Kindes Statt angenommen worden. Jener Eingeborene kam nämlich, um die Sünden zu lösen, in die wir verstrickt waren, so daß er uns wegen dieses Hindernisses nicht als Kinder annehmen konnte; die er sich zu Brüdern machen wollte, löste er selbst und machte sie zu Miterben. Denn so spricht der Apostel: „Wenn aber Sohn, dann auch Erbe durch Gott“1, und wiederum: „Erben Gottes und Miterben Christi“2. Er trug kein Bedenken, Miterben zu haben, weil sein Erbe nicht klein wird, wenn es viele in Besitz genommen haben. Sie selbst ja werden, wenn er sie besitzt, sein Erbe, und er hinwieder wird ihr Erbe. Höre, wie sie sein Erbe werden: „Der Herr sprach zu mir: Mein Sohn bist du; ich habe dich heute gezeugt. Fordere von mir, und ich will dir die Völker zu deinem Erbe geben“3. Und wie wird er ihr Erbe? Er sagt im Psalme: „Der Herr ist der Anteil meines Erbes und meines Kelches“4. Wir sollen ihn besitzen, und er soll uns besitzen; er soll uns besitzen als Herr, wir sollen ihn besitzen als unser Heil, wir sollen ihn besitzen als unser Licht. Was also hat er denen gegeben, die ihn aufnahmen? „Er gab ihnen die Macht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an [S. 29] seinen Namen glauben“, damit sie am Holze (des Kreuzes) sich festhalten und das Meer überschreiten.

1: Gal. 4, 7.
2: Röm. 8, 17.
3: Ps. 2, 7 f. [hebr. Ps. 2, 7 f.].
4: Ps. 15, 5 [hebr. Ps. 16, 5].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger