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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
1. Vortrag.

4.

Die aber den Frieden empfangen haben, um ihn dem Volke zu verkünden, betrachteten die Weisheit selbst, soweit menschlichen Herzen zugänglich war, was weder ein Auge gesehen, noch ein Ohr vernommen, noch in eines Menschen Herz gekommen ist1 . Wenn sie (die Weisheit) in keines Menschen Herz gekommen ist, wie ist sie in das Herz des Johannes gekommen? Oder war Johannes kein Mensch? Oder ist sie vielleicht auch in das Herz des Johannes nicht gekommen, sondern das Herz des Johannes ist zu ihr emporgestiegen? Denn was in das Herz des Menschen emporsteigt, das ist unter dem Menschen; wohin aber das Herz des Menschen emporsteigt, das ist über dem Menschen. Auch so, Brüder, kann man sagen: Wenn sie in das Herz des Johannes gekommen ist ― wenn man das irgendwie sagen kann ―, dann ist sie insoweit in das Herz des Johannes gekommen, als Johannes selbst kein Mensch war. Was heißt das, er war kein Mensch? Insofern als er angefangen hatte, ein Engel zu sein; denn alle Heiligen sind Engel, weil Verkündiger Gottes. Was sagt darum der Apostel zu den Fleischlichen und Sinnlichen, die nicht zu fassen vermögen, was Gottes ist: „Denn wenn ihr saget: Ich bin des Paulus, ich des Apollo, seid ihr da nicht Menschen?“2 Wozu wollte er jene machen, denen er vorhielt, daß sie Menschen seien? Verlangt ihr zu wissen, wozu er sie machen [S. 4] wollte? Höret in den Psalmen: „Ich habe gesagt: Ihr seid Götter und Söhne des Höchsten alle“3. Dazu also ruft uns Gott, daß wir nicht Menschen seien. Aber dann werden wir im besseren Sinne nicht Menschen sein4, wenn wir uns zuerst als Menschen anerkennen, d. h. zu jener Höhe von der Niedrigkeit aufsteigen, damit wir nicht etwa, indem wir uns für etwas halten, da wir doch nichts sind, nicht bloß das nicht empfangen, was wir nicht sind, sondern auch das verlieren, was wir sind.

1: 1 Kor. 2, 9.
2: 1 Kor. 3, 4.
3: Ps. 81, 6 [hebr. Ps. 82, 6].
4: In melius non erimus homines. Wir sollen nach Augustin „nicht Menschen“ sein, nicht in dem Sinne, daß wir zu den Tieren herabsteigen d. h. ihnen gleich werden, sondern in dem Sinne, daß wir zu Gott emporsteigen d. h. ihm ähnlich werden.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger