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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
1. Vortrag.

13.

Was folgt, Brüder: „Alles ist durch dasselbe geworden“, sehet zu, daß ihr es nicht so auffasset, als ob das Nichts etwas sei. Es verstehen nämlich viele die Worte: „Ohne dasselbe ist nichts geworden“, schlecht und meinen, das Nichts sei etwas. Die Sünde freilich ist nicht durch dasselbe geworden, und es ist klar, daß die Sünde nichts ist, und nichts werden die Menschen, wenn sie sündigen. Auch das Götzenbild ist nicht durch das Wort geworden, es hat zwar die menschliche Form, aber nur der Mensch selbst ist durch das Wort geworden; denn die Form des Menschen am Götzenbilde ist nicht durch das Wort geworden, und es steht geschrieben: „Wir wissen, daß der Götze nichts ist“1. Also diese Dinge sind nicht durch das Wort geworden; aber was immer ursprünglich geworden ist, was immer an den Geschöpfen sich findet, überhaupt alles, was am Himmel befestigt ist, was von oben her erglänzt, was unter dem Himmel fliegt, und was sich in der gesamten Natur der Dinge bewegt, durchaus jedes Geschöpf, ich will es deutlich sagen, ich will sagen, Brüder, damit ihr es versteht, vom Engel bis zum Würmchen. Was ist [S. 12] herrlicher als der Engel unter den Geschöpfen? was geringer als ein Würmchen unter den Geschöpfen? Durch welchen der Engel erschaffen worden, durch den ist auch das Würmchen erschaffen worden; aber der Engel ist würdig des Himmels, das Würmchen würdig der Erde. Der Schöpfer hat es so angeordnet. Würde er das Würmchen in den Himmel setzen, du würdest es tadeln; würde er die Engel aus faulendem Fleische entstehen lassen, du würdest es tadeln, und doch tut Gott dies beinahe und er ist deshalb nicht zu tadeln. Denn alle aus dem Fleische entstehenden Menschen, was sind sie anders als Würmer? Und aus Würmern macht er Engel. Denn wenn der Herr selbst sagt: „Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch“2, wer trägt noch Bedenken, das zu sagen, was bei Job geschrieben steht: „Um wieviel mehr ist der Mensch Fäulnis und der Sohn des Menschen ein Wurm“3. Zuerst hat er gesagt: „Der Mensch ist Fäulnis“, und dann: „Der Sohn des Menschen ein Wurm“; weil der Wurm aus der Fäulnis entsteht, deshalb ist der Mensch Fäulnis, und der Sohn des Menschen ein Wurm. Siehe, was um deinetwillen werden wollte jenes Wesen, von dem es heißt: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort“. Warum ist es dies deinetwegen geworden? Damit du saugest, da du nicht essen konntest. Alles in allem also, Brüder, so verstehet die Worte: „Alles ist durch dasselbe geworden, und ohne dasselbe ist nichts geworden“. Denn jegliches Geschöpf ist durch dasselbe geworden, das größte und das kleinste; durch dasselbe ist geworden das obere und das untere; durch dasselbe ist das geistige und das körperliche geworden. Denn keine Form, kein Gefüge, keine Verbindung der Teile, keine wie immer beschaffene Substanz, die Gewicht, Zahl und Maß hat, besteht außer durch jenes Wort und jenes schöpferische Wort, von welchem es heißt: „Alles hast du nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet“4.

1: 1 Kor. 8, 4.
2: Ps. 21, 7 [hebr. Ps. 22, 7].
3: Job 25, 6.
4: Weish. 11, 21.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger