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Cyprian von Karthago († 258) - Leben des Cäcilius Cyprianus von Diakon Pontius (Vita Caecilii Cypriani)

5. Die Wahl des Neophyten zum Bischof.

Es würde zu weit führen, auf Einzelheiten einzugehen, und alle seine Taten aufzuzählen, wäre eine mühsame Arbeit. Zum Beweis für seine guten Werke genügt meines Erachtens schon die eine Tatsache, daß er durch das Urteil Gottes und die Gunst des Volkes zum Amte eines Priesters und zur Würde des Bischofs auserkoren wurde, er, der erst vor kurzem bekehrt und, wie man meinte, noch ein Neuling war. Freilich er strahlte schon in den frühesten Tagen seines Glaubens und in der Erstlingszeit seines geistlichen Lebens seine edle Begabung in so herrlichem Lichte, daß er, umgeben von dem Glanze zwar noch nicht des Amtes, sondern erst der auf ihn gesetzten Hoffnung, die ihm zugedachte priesterliche Stellung vollauf auszufüllen versprach. Auch den besonderen Umstand will ich nicht übergehen, wie er voll Demut sich zurückzog, als das ganze Volk auf göttliche Eingebung hin in Liebe und Verehrung für [S. 14] ihn überströmte, wie er vor Älteren zurücktreten wollte und sich eines solchen Ehrentitels für unwürdig hielt, —wodurch er nur um so würdiger wurde. Denn würdiger wird doch einer, der etwas ablehnt, was er verdient. In welcher Erregung wogte damals das beunruhigte Volk hin und her, das ja, wie der Ausgang zeigte, in seinem geistlichen Sehnen nicht bloß einen Bischof begehrte; denn in ihm, nach dem es damals auf Grund einer geheimnisvollen, göttlichen Vorahnung so ungestüm verlangte, suchte es nicht allein den Priester, sondern auch den künftigen Märtyrer. In Massen hatten die Brüder die Türen seines Hauses besetzt, und an allen Zugängen strömten die Lieben voll Besorgnis ab und zu. Da hätte es ihm vielleicht gerade so ergehen können wie jenem Apostel1, daß er sich wünschte, durch das Fenster herabgelassen zu werden, wenn er mit dem Apostel schon damals auch die Ehre der Weihe geteilt hätte. Da konnte man sehen, wie alle anderen in ängstlicher Spannung auf seine Ankunft warteten und mit unmäßigem Jubel ihn aufnahmen, als er dann wirklich kam. Nur ungern sage ich es, aber ich darf es nicht verschweigen: einige widersetzten sich seinem Siege! Mit welch sanfter Geduld jedoch, mit welchem Wohlwollen übte er Nachsicht gegen sie, mit welcher Milde verzieh er ihnen, indem er sie hernach zur Verwunderung vieler zu seinen besten und vertrautesten Freunden zählte! Denn wem sollte es nicht als ein Wunder erscheinen, wie schnell hier sein sonst so treues Gedächtnis zu vergessen vermochte?

1: Apg. 9, 25 u. 2 Kor. 11, 32 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger