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Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)
Buch X.

11.

Die Sethianer meinen, das All habe drei genau abgegrenzte Urelemente. Jedes Element...... könne werden, wie in der menschlichen Seele jede Kunst gelehrt werden könne; ein Kind komme zu einem Flötenspieler und könne dann Flöte spielen, oder es komme zu einem Geometer und lerne Geometrie treiben und so fort. Die Wesenheiten der Elemente seien Licht und [S. 271] Dunkel; zwischen ihnen sei das unvermischte Pneuma. Das Pneuma, das in der Mitte zwischen dem Dunkel unten und dem Licht oben sich befindet, ist nicht ein Hauch wie ein gewaltiger Wind oder wie eine zarte Luftströmung, die man fühlen kann, sondern es ist wie der feine Duft einer Salbenmischung oder eines Wohlgeruches, ein durchdringender, feiner und dabei überaus starker Duft. Da nun das Licht oben und die Finsternis unten ist und das Pneuma in der Mitte zwischen ihnen liegt, so leuchtet das Licht wie ein Sonnenstrahl von oben in das darunterliegende Dunkel; der Duft des Pneumas in der Mitte aber breitet sich aus und dringt vor, so wie sich der Geruch des Räucherwerkes über dem Feuer ausbreitet. So ist die Wirksamkeit der dreigeteilten Dinge; die Wirksamkeit des Pneuma und des Lichtes zugleich erstreckt sich nach unten in das darunter befindliche Dunkel. Das Dunkel ist ein fürchterliches Wasser; das Licht wird mit dem Pneuma in dasselbe heruntergezogen und zu gleicher Wesenheit verwandelt. Das Dunkel ist verstandbegabt und weiß, daß, wenn ihm das Licht genommen wird, es ein wüstes, lichtloses, glanzloses, kraftloses, unwirksames, armseliges Dunkel bleibt; so bemüht es sich mit aller Geisteskraft und allem Verstand, den glänzenden Lichtfunken mit dem Duft des Pneuma in sich festzuhalten. — Sie bringen hiefür folgendes Bild, indem sie sagen: Wie die Pupille des Auges durch das darunterliegende Wasser dunkel erscheint, durch den Geist aber erhellt wird, so strebt das Dunkel nach dem Pneuma, es hält aber alle die Kräfte, die wegkommen und fliehen wollen, bei sich. Diese sind unzähligemal unzählige und aus ihnen wird alles gebildet nach Art von Siegelabdrücken. Wie nämlich ein Siegel, das mit Wachs in Berührung gebracht wird, ein Bild schafft, während es selbst bleibt, was es war, so schaffen auch diese Kräfte alle die unzähligen Arten von Lebewesen. Nach dem ersten Zusammenstoßen der drei Elemente sei das Abbild eines großen Siegels entstanden, nämlich Himmel und Erde; es habe das Aussehen eines Mutterschoßes mit dem Nabel in der Mitte. So seien auch die übrigen Gebilde des Universums ausgeprägt worden, wie Himmel [S. 272] und Erde, die einem Mutterschoß gleichen. Aus dem Wasser aber sei ein ersterzeugtes Element, ein starker und heftiger und alle Erzeugung verursachender Wind entstanden, der eine gewisse Wärme und Bewegung durch die Bewegung des Wassers in der Welt hervorruft. Diesen aber vollende..... ,dem Zischen einer geflügelten Schlange ähnlich, bei diesem Anblick stürzt sich die Welt begierig in die Zeugung wie ein Mutterleib, und hievon soll die Entstehung aller Dinge kommen. Sie sagen, dies sei der Windgeist und er sei als vollkommener Gott aus dem Duft der Wasser und des Pneuma und aus dem Glanz des Lichtes geboren und sei Erzeugnis des Weibchens Nus; der von oben gekommene Funken habe sich unten mit körperlichen Zutaten vermischt und strebe zu entfliehen, entfliehend gehe er von hinnen und könne doch die Befreiung wegen der Bindung an die Wasser nicht erlangen. Deswegen habe er nach dem Psalmisten1 aus der Mischung der Wasser gerufen. Das ganze Bestreben des Lichtes oben ist, den Funken, der unten ist, vom Vater, der unten ist, vom Winde, der Hitze und Unruhe erregt, zu befreien; der Vater hat sich den Nus zum Sohn gemacht, obwohl er ihm nicht eigen ist. Da ihn der vollkommene Logos des Lichtes von oben sah, ist er in eine Schlange verwandelt in den Mutterleib eingegangen, auf daß er jenen Nus, den Funken aus dem Licht, hinaufnehmen könne. Und dies bedeuteten die Worte: „Der, da er Gott gleich war, es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein, sondern sich selbst entäußerte und Knechtsgestalt annahm“2. Dies sei die Knechtsgestalt, so wollen es die teuflischen, pesthauchenden Sethianer. So lehren sie.

1: Ps. 28, 3.
2: Phil. 2. 6, 7.

 

 

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Einleitung. Widerlegung aller Häresien

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger