Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)
Buch X.

7.

Daß das All aus mehreren, zählbaren Dingen, nämlich aus zweien, Erde und Wasser, entstanden ist, sagt der Dichter Homer mit folgenden Worten:

„Ursprung der Götter ist Okeanos und Thetis die Mutter“1,

und weiterhin:
[S. 268] “Möchtet doch alle ihr euch in Wasser und Erde verwandeln!“2

Mit ihm scheint der Kolophonier Xenophanes übereinzustimmen; er sagt nämlich:

„Denn wir sind ja doch alle aus Erde und Wasser entstanden“3.

Aus Erde und Äther meint Euripides, wie man aus den Worten entnehmen kann:

„Äther und Erde besing' ich als aller Dinge Erzeuger“4.

Aus vier Empedokles:

„Nunmehr vernimm vorerst der Welten vierfache Wurzeln:
Zeus, der leuchtende, Here, die Nahrung gibt, Aïdoneus,
Nestis sodann, die mit Tränen die irdische Dürre befeuchtet“5.

Aus fünf aber der Leukaner Okellos und Aristoteles; zugleich mit den vier Elementen nahmen sie ein fünftes an, und zwar einen kreisförmig bewegten Stoff, aus dem die himmlischen Dinge entstanden sein sollen. Die Schüler des Empedokles erklärten die Entstehung des Universums aus sechs Elementen. Wenn Empedokles sagt: „Nunmehr vernimm vorerst der Welten vierfache Wurzeln“6, so setzt er die Entstehung aus vier; wenn er aber hinzufügt:

„Außer diesen der Haß, der verderbliche, überall gleiche,
Und die Liebe mit ihnen, die gleich in der Länge und Breite“7,

so gibt er sechs Ursachen für die Gesamtheit der Dinge an, und zwar vier stoffliche, Erde, Wasser, Feuer, Luft, und zwei wirkende, Liebe und Haß. Daß das All aus unzählbaren Dingen entstanden sei, meinten die Schüler des Anaxagoras aus Klazomenä, des Demokritos und des Epikuros und gar viele andere, deren wir schon zum Teil gedachten. Anaxagoras aber meinte, [S. 269] aus homogenen Dingen sei das All entstanden, die Schüler des Demokritos und Epikuros aus heterogenen und empfindungslosen Dingen, das ist aus den Atomen, die Schüler des pontischen Herakleides und des Asklepiades aus heterogenen, aber empfindungsbegabten, wie aus einer Masse entgegengesetzter Dinge, die Schüler des Platon aus dreien, diese drei seien Gott, Stoff und Urbild. Den Stoff aber teilt Plato in vier Elemente, Feuer, Wasser, Erde, Luft; Gott sei der Baumeister, das Urbild aber der Verstand.

1: Il.14, 201.
2: Il. 7, 99.
3: Fr. 33 D.
4: Fr. 1023 Nauck.
5: Fr. 6 D.
6: Fr. 6 D.
7: Fr. 17, 19, 20 D.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung. Widerlegung aller Häresien

Navigation
Buch I.
Buch IV.
Buch V.
Buch VI.
Buch VII.
Buch VIII.
Buch IX.
Buch X.
. . Inhalt [1-4]
. . 5.
. . 6.
. . 7.
. . 8.
. . 10.
. . 11.
. . 12.
. . 13.
. . 14.
. . 15.
. . 16.
. . 17.
. . 18.
. . 19.
. . 20.
. . 21.
. . 22.
. . 23.
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger