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Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)
Buch IX.

9.

Heraklitus sagt1, das All sei geteilt und ungeteilt, erzeugt und unerzeugt, sterblich und unsterblich, [S. 241] Logos, Äon, Vater, Sohn, gerechter Gott. „Diejenigen, die nicht auf mich, sondern auf das Wort hören, tun weise daran, zu erkennen, daß alles eins sei“2, sagt Heraklitus, und weil nicht alle dies wissen und zugeben, so rügt er sie ungefähr so: „Sie verstehen nicht, wie es auseinanderstrebend ineinander geht: gegenstrebige Vereinigung, wie beim Bogen und der Leier“3. Daß das Wort ewig ist, da es das All und durch das All ist, drückt er folgendermaßen aus: „Für dies Wort aber, obgleich es ewig ist, gewinnen die Menschen kein Verständnis, weder, ehe sie es vernommen, noch sobald sie es vernommen. Alles geschieht nach diesem Wort und doch gebärden sie sich wie die Unerfahrenen, so oft sie sich versuchen in solchen Worten und Werken, wie ich sie künde, ein jegliches nach seiner Natur zerlegend und ausdeutend, wie sichs damit verhält“4. Daß das All ein Knabe sei und durch die Ewigkeit ein ewiger König aller Dinge, sagt er auf folgende Weise: „Die Zeit ist ein spielender Knabe, der die Brettsteine hin und her setzt: Knabenregiment“5. Daß der Vater aller entstandenen Dinge gezeugt, ungezeugt, Schöpfung, Schöpfer sei, hören wir von ihm, wenn er sagt: „Der Krieg ist aller Dinge Vater, aller Dinge König, und er macht die einen zu Göttern, die andern zu Menschen, die einen zu Sklaven, die andern zu Freien“6, Daß aber..... „Vereinigung wie beim Bogen und der Lyra“7. Daß Gott8 verborgen, unsichtbar, den Menschen unbekannt ist, sagt er mit folgenden Worten: „Verborgene Vereinigung ist besser als offenkundige“9. Er preist und bewundert mehr als das Erkennbare das Unerkannte an ihm und das Verborgene seiner Kraft. Daß er aber für die Menschen erkennbar und nicht unerforschlich sei, sagt er mit diesen Worten: „Alles, was man sehen, hören, lernen kann, das ziehe ich vor“10. Das ist das Sichtbare dem Unsichtbaren..... aus derartigen Äußerungen [S. 242] ist dies leicht abzunehmen: „Es irren die Menschen, was die Kenntnis der sichtbaren Dinge anlangt, ähnlich wie Homer, der doch der weiseste aller Griechen war. Ihn foppten nämlich Buben, die auf Läuse Jagd machten, mit den Worten: Was wir sahen und ergriffen, das lassen wir los; was wir nicht sahen und nicht ergriffen, das holen wir“11.

1: Vgl. Fr. 67 D.
2: Fr. 50 D.
3: Fr. 51 D.
4: Fr. 1 D.
5: Fr. 52 D.
6: Fr. 53 D.
7: Fr. 51 D.
8: Wendland.
9: Fr. 54 D.
10: Fr. 55 D.
11: Fr. 56 D.

 

 

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Einleitung. Widerlegung aller Häresien

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger