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Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)
Buch IX.

30.

Wir wollen nun nach Darlegung der bei den Juden existierenden Verschiedenheiten auf ihren Kult zu sprechen kommen. Alle Juden betätigen sich auf vierfache Weise in bezug auf den Dienst Gottes: theologisch, natürlich, ethisch und kultisch. Sie sagen, es gebe einen Gott, Schöpfer und Herr des Alls, der alles gemacht habe, das vorher nicht war, und zwar nicht aus einer gleichzeitig vorliegenden Substanz, sondern durch seinen Schöpferwillen; es existierten Engel, und zwar seien sie erschaffen worden, um der Schöpfung Dienste zu leisten, es gebe auch einen mächtigen Geist, der immer bei Gott zu seiner Verherrlichung verbleibe; alles habe in der Schöpfung Empfinden und nichts sei unbeseelt. Die Juden streben nach einer würdigen und vernünftigen Lebensführung, wie sie in den Gesetzen [S. 264] vorgezeichnet ist. Diese ist von alters her bei ihnen genau festgesetzt, da sie das Gesetz aus der Vorzeit erhalten haben, so daß der Leser über die fürsorgliche Vernunft in der für den Menschen gesetzlich festgelegten Lebensführung billig erstaunt ist. Der liturgische Dienst ist bei ihnen außerordentlich ausgebildet, der Gottheit geziemend angepaßt; wenn man das darüber handelnde Buch liest, kann man sich leicht darüber unterrichten, wie würdig und fromm sie Gott die Erstlinge der von ihm zum Gebrauch und Nutzen der Menschen gegebenen Dinge zum Opfer bringen und auf sein Geheiß genau nach der Vorschrift den Dienst verrichten. Einige Punkte erkennen die Sadduzäer nicht an; sie wollen nichts von der Existenz von Engeln oder Geistern wissen. Alle aber stimmen in der Erwartung Christi überein, dessen Ankunft das Gesetz und die Propheten vorausgesagt haben; die Zeit seiner Ankunft haben sie freilich nicht anerkannt und halten sie hartnäckig daran fest, daß das, was über seine Ankunft gesagt worden ist, nicht eingetroffen sei; so erwarten sie den kommenden Christus, werden verwirrt, wenn sie die Zeichen der Zeiten sehen dafür, daß er schon erschienen ist, scheuen sich aber, zuzugestehen, daß er gekommen sei; sie haben ihn ja in der Erbitterung getötet, weil sie von ihm des Ungehorsams gegen die Gesetze überführt wurden. Sie behaupten, er sei nicht der von Gott gesandte Messias; es werde ein anderer kommen, der noch nicht existiere; auf ihn sollen einige, aber nicht alle Zeichen, welche das Gesetz und die Propheten vorhergesagt haben, zutreffen; denn über mehrere haben sie irrige Anschauungen; sie sagen zwar, er werde aus dem Geschlecht David stammen, aber nicht aus einer Jungfrau und dem Heiligen Geiste, sondern aus einem Weibe und einem Manne, weil es ein allgemeines Gesetz sei, aus Samen erzeugt zu werden; sie lehren, er werde ihr König sein, ein kriegerischer und mächtiger Mann, der nach Vereinigung des gesamten Judenvolkes und Bekriegung aller Völker ihnen die Königstadt Jerusalem wieder herstellen werde; dort werde er das ganze Volk versammeln und wiederum zu den alten Sitten zurückführen; es werde herrschen und seinen Gottesdienst feiern und lange Zeit in [S. 265] Sicherheit wohnen, dann werde gegen sie ein Koalitionskrieg entbrennen. In diesem Krieg werde der Messias durch das Schwert fallen, bald darauf folgen Weltende und Weltbrand und so würden ihre Ansichten über die Auferstehung in Erfüllung gehen und jedem nach seinen Taten vergolten werden.

 

 

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Einleitung. Widerlegung aller Häresien

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger