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Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)
Buch IX.

26.

Im Laufe der Zeit haben sie sich in vier Parteien gespalten, von denen jede ihre eigene Lebensführung hat. Die einen übertreiben die Vorschriften in dem Maße, daß sie nicht einmal eine Münze anrühren mit der Begründung, man dürfe ein Bild weder tragen noch ansehen noch verfertigen. Sie gehen auch in keine Stadt, auf daß keiner durch ein Tor schreite, auf dem Bildsäulen ständen; denn sie halten es für unrecht, unter Bildwerken durchzugehen. Wenn einer von der zweiten Richtung hört, daß jemand über Gott und seine Gesetze spricht und dabei unbeschnitten ist, lauert er ihm, wenn dieser allein ist, irgendwo auf und droht ihm mit dem Tod, wenn er nicht sich beschneiden läßt; wenn dieser nicht gehorchen will, so kennt er keine Schonung, sondern bringt ihn um. So haben sie dieser Sache [S. 261] halber den Namen Zeloten1 angenommen; manche nennen sie Sikarier2. Die Angehörigen einer anderen Richtung nennen niemand Herr außer Gott, selbst wenn sie einer marterte oder sogar tötete. — So sehr sind die späteren von der Lebensstrenge abgewichen, daß diejenigen, die bei den ursprünglichen Sitten geblieben sind, sie nicht einmal berühren; sollten sie sie aber berührt haben, so waschen sie sich sofort, als ob sie einen Ausländer berührt hätten. Die meisten sind langlebig; sie werden selbst über hundert Jahre alt. Sie sagen, der Grund ihrer ausnehmenden Frömmigkeit und des Eifers3 für das Martyrium sei der Umstand, daß sie enthaltsam und leidenschaftslos seien. Den Tod verachten sie und freuen sich, wenn sie guten Gewissens sterben. Auch wenn jemand diese Leute marterte, damit sie das Gesetz schmähen oder Opferfleisch essen, so wird es keiner tun, sondern Tod und Martern aushalten, um nicht gegen das Gewissen zu handeln.

1: Eiferer.
2: Mörder.
3: Gö.

 

 

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Einleitung. Widerlegung aller Häresien

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger