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Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)
Buch VIII.

8.

Da diese Vielen den Rat des Herrn sich nicht zunutze machen und mit dem Balken im Auge zu sehen behaupten, während sie mit Blindheit geschlagen sind, so wollen wir auch ihre Lehre nicht mit Schweigen übergehen, damit sie doch, durch unsere Widerlegung beschämt, aus sich selbst des Heilands Rat verstehen lernen, zuerst seinen Balken herauszuziehen und dann den Splitter in dem Auge des Bruders zu betrachten. Wir haben nun die Ansichten der Mehrzahl der Häretiker in den sieben vorhergehenden Büchern zur Genüge auseinandergesetzt; nun wollen wir ruhig weitergehen, die Freigebigkeit des gnadenspendenden Heiligen Geistes aufzeigen und diejenigen, die durch Grübeln sichere Lehren sich angeeignet zu haben vermeinen1, widerlegen; sie [S. 225] nennen sich Doketen und lehren, es gebe einen ersten Gott, der dem Samen des Feigenbaumes gleich sei, von absoluter Kleinheit, von unendlicher Macht, in unzählbarer Menge, zeugungsfähig, Zuflucht derer, die sich fürchten, Kleidung den Nackten, Schleier der Scham, die gesuchte Frucht, zu der der Suchende dreimal kam und die er nicht fand; deswegen fluchte er dem Feigenbaum2, weil er jene süße gesuchte Frucht an ihm nicht fand; Gott ist also, kurz gesagt, nach ihrer Lehre von solcher Beschaffenheit und Ausdehnung, d. i. klein und unansehnlich3; die Welt entstand, wie sie meinen, ungefähr auf folgende Weise: Nachdem die Zweige des Feigenbaumes zart geworden waren, kamen die Blätter hervor4, wie es zu sehen ist, hernach die Frucht, in der der unendliche und unzählbare Same des Feigenbaumes aufgespeichert liegt. Drei Dinge sollen zuerst aus dem Feigensamen entstanden sein: der Stamm, das ist der Feigenbaum selbst, die Blätter und die Frucht, die schon erwähnte Feige. So sind drei Äonen entstanden, Prinzipien aus dem Urprinzip des Alls, und dies hat auch Moses verkündet, wenn er sagt, die Logos' Gottes seien drei: „Finsternis, Dunkel, Wirbel und er fügte nichts hinzu“5. Gott hat nämlich nichts zu den drei Äonen hinzugefügt, sondern sie selbst haben allen erzeugten Dingen alles gewährt und gewähren es weiter. Die Gottheit ruht in sich selbst in weitem Abstand von den drei Äonen. Nach ihrer Entstehung wuchsen sie bald und wurden groß und vollkommen. Nach der Meinung der Doketen ist die Zahl Zehn das Vollkommene. Die Äonen wurden an Zahl und Vollkommenheit einander gleich; ihre Gesamtzahl beträgt dreißig, da jeder in einer Dekade zur Fülle gelangte. Sie sind voneinander verschieden, aber die drei haben einen und denselben Rang, da sie sich lediglich durch ihren Platz unterscheiden, indem einer der erste, ein anderer der zweite, wieder ein anderer der dritte ist. Ihr Platz nun gab [S. 226] ihnen einen Machtunterschied; derjenige nämlich, welcher seinen Platz in nächster Nähe des ersten Gottes, der gleich einem Samen ist, erhielt, hat eine stärkere Zeugungskraft als die anderen, indem er, selbst unermeßlich, sich zehnmal in bezug auf seine Größe maß; derjenige, welcher durch die Stellung des ersten der zweite wurde, erfaßte sich, selbst unfaßbar, sechsmal; der dritte, der in einen unendlichen Abstand wegen des Wachstums der Brüder kam, stellte sich selbst dreimal in Gedanken vor und band sich gleichsam als Einheitsband für die Äonen6.

1: Gö.
2: Mark. 11, 13. 14. 20. 21; Matth. 21, 19. 20; Luk. 13, 6. 7.
3: Gö.
4: Mark. 13, 28; Matth. 24, 32.
5: Deut. 5, 22.
6: Gö.

 

 

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Einleitung. Widerlegung aller Häresien

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger