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Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)
Buch VII.

32.

Karpokrates behauptet, die Welt und was darin sei, sei von Engeln, die tief unter dem ungezeugten Vater ständen, geschaffen worden; Jesus sei aber von Joseph gezeugt worden; er sei zwar ein Mensch gewesen, aber gerechter als die übrigen; seine Seele, stark und rein von ihrer Entstehung an, habe das im Gedächtnis behalten, was sie bei ihrem Zusammensein mit dem unerzeugten Vater gesehen habe, und deswegen sei ihr von ihm eine Kraft gesandt worden, um durch sie den Weltschöpfern zu entgehen; sie sei durch sie alle hindurch gegangen und in allen befreit worden und dann zum Vater emporgestiegen, wie es jede Seele mit gleichem Streben tun kann. Die Seele Jesu sei zwar gesetzmäßig [S. 220] in den jüdischen Traditionen erzogen worden, habe sie aber verachtet und deshalb Kräfte erhalten, wodurch sie die Leidenschaften vernichtet habe, die den Menschen zur Strafe sind; die Seele, die nun wie die Seele Christi die weltschaffenden Archonten verachten kann, erhalte Kraft zu gleichem Tun. Es gingen dann manche in ihrem Hochmut so weit, daß sie behaupteten, einige seien Jesu gleich, andere seien in gewisser Hinsicht noch mächtiger, andere wieder noch hervorragender als seine Jünger Petrus und Paulus und die übrigen Apostel; sie stünden in nichts hinter Jesus zurück. Ihre Seelen stammten von der oberen Kraft, und deswegen verachteten sie die Weltschöpfer ebenso; sie würden mit derselben Kraft begnadigt und kämen an denselben Ort; wenn einer aber das Irdische noch mehr verachte als Jesus, so könne er ihn noch übertreffen. Sie bedienen sich der magischen Künste und der Beschwörungen, der Liebestränke und feiern, der Gespenstererscheinungen und der Traumgeister und der übrigen schwarzen Künste, und behaupten dabei, sie hätten die Macht, über die Archonten und Schöpfer der Welt zu herrschen, ja über alle Geschöpfe in ihr; sie sind vom Satan in die Welt gesetzt zur Lästerung des göttlichen Namens der Kirche im Angesicht der Heiden; die Menschen, die ihre Lehren bald so, bald anders vorgetragen hören, meinen, wir seien alle aus demselben Holz, und verschließen ihre Ohren vor der Verkündigung der Wahrheit; ja, wenn sie deren Treiben sehen, lästern sie uns. So lange müßten, so sagen sie, die Seelen durch die Körper wandern, bis sie alle Sünden verübt hätten; wenn aber nichts mehr übrig ist, dann gehe die befreite Seele zu dem über den weltschaffenden Engeln thronenden Gott; auf diese Art würden alle Seelen erlöst. Einige Seelen machen schon bei ihrem ersten Erscheinen eilig alle Sünden durch und wandern dann nicht mehr, sondern sie werden nach Begleichung jeglicher Schuld von weiterer Wanderung befreit. Einige brennen ihren Schülern ein Zeichen an der Rückseite des Ohres ein. Auch verfertigen sie Bilder Christi mit der Angabe, sie seien seinerzeit von Pilatus hergestellt worden.

 

 

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Einleitung. Widerlegung aller Häresien

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger