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Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)
Buch VII.

27.

Wenn nun die ganze Sohnschaft ans Ziel gelangt ist und sich über dem dazwischenliegenden Geiste befindet, dann wird der Schöpfung Barmherzigkeit widerfahren; sie stöhnt ja bis zum heutigen Tage und liegt in Wehen und erwartet die Offenbarung der Söhne Gottes1, damit alle Sohnschaftsmenschen dort hinauf gelangen. Hierauf wird Gott über die ganze Welt die große Unwissenheit kommen lassen, auf daß alles bei [S. 209] seiner Natur verharre und nichts anstrebe, was gegen die Natur ist. Aber alle Seelen in dieser Zone, die derartig veranlagt sind, daß sie nur in dieser Zone unsterblich sind, werden in Unkenntnis darüber bleiben, daß es etwas Anderes und Schöneres als diese Zone gibt, und es wird keinerlei Kunde noch irgendeine Kenntnis von den darüberliegenden Dingen zu den darunterbefindlichen kommen, auf daß nicht die Seelen im Streben nach Unmöglichem sich quälen wie der Fisch, der im Gebirge mit den Schafen weiden möchte; ein solches Streben würde für sie den Untergang bedeuten. Alles, was an seinem Orte bleibt, stirbt nicht; es stirbt aber, wenn es über seine Natur hinaus will. So soll der Archon der Siebenzahl nichts von den Dingen ober ihm wissen; es wird nämlich auch über ihn die große Unwissenheit kommen, auf daß Trauer und Schmerz und Klage2 von ihm ablasse; da er nicht nach Unmöglichem streben wird, wird er auch keinen Schmerz empfinden. Auch über den großen Archon der Achtzahl wird diese Unwissenheit kommen und über alle unter ihm befindlichen Geschöpfe gleichfalls, damit auch wirklich gar nichts nach Unnatürlichem strebe und Schmerz leide; und so wird die Wiederherstellung eintreten für alle Dinge, deren natürliche Grundlage im Anfang in den Allsamen gelegt worden war, und die, jedes zu seiner Zeit, wiederhergestellt werden sollen. Daß aber jedes Ding seine Zeit hat, bezeugt der Erlöser mit treffenden Worten: „Noch ist meine Stunde nicht gekommen“3, wie auch die Magier, da sie ihren Stern sahen; auch er (der Erlöser) war nämlich im großen Haufen bei der Entstehung der Sterne und mit der Stunde der Wiederherstellung vorherbestimmt. Er ist nach ihrer Auffassung der innerliche, pneumatische Mensch im psychischen — die Sohnschaft, die hier die Psyche verließ, die nicht sterblich war, aber hier ihrer Natur nach verblieb, wie oben die erste Sohnschaft den Heiligen Geist, den dazwischenliegenden, an seinem Orte ließ —, der dann seine eigene Psyche annimmt. [S. 210] Um aber nichts von ihrer Lehre auszulassen, will ich darlegen, was sie bezüglich des Evangeliums lehren. Die frohe Botschaft ist nach ihnen die Kenntnis der Überwelt, wie sie oben geschildert wurde, die der große Archon nicht kannte. Da ihm nun kund ward, daß es auch den Heiligen Geist, d. i. den dazwischenliegenden, und die Sohnschaft und den nichtseienden Gott, den Urheber alles dieses, gebe, freute er sich über diese Worte und frohlockte4; das ist nach ihrer Auffassung die frohe Botschaft. Jesus ist nach ihnen erzeugt worden, wie wir es schon gesagt; nachdem diese Zeugung so erfolgt war, geschah alles auf den Erlöser Bezügliche, wie es in den Evangelien geschrieben steht. Dies geschah aber, damit Jesus den Uranfang der Stammesscheidung der vermengten Dinge werde. Da nun die Welt in die Achtzahl geteilt ist, die das Haupt der ganzen Welt ist — das Haupt der ganzen Welt ist der große Archon —, und in die Siebenzahl — das Haupt der Siebenzahl ist der Bildner der darunterliegenden Dinge —, und in unsere Zone der Gestaltlosigkeit, so war es notwendig, das Vermengte durch die Teilung Jesu in Klassen zu sondern. Das Körperliche an ihm, das aus der Gestaltlosigkeit stammte, hat gelitten und kam wieder zur Gestaltlosigkeit; das Psychische an ihm, das aus der Siebenzahl stamme, ist auferstanden und kam zu ihr; das, was aus der Höhe vom großen Archon stammte, hat die Auferstehung bewirkt und blieb beim großen Archon. Das, was vom dazwischenliegenden Pneuma kam, bewirkte die Himmelfahrt und blieb im dazwischenliegenden Pneuma. Die dritte Sohnschaft, die zurückgelassen worden war, um Wohltaten zu spenden und Wohltaten zu empfangen, wurde durch Jesus gereinigt und stieg durch all dies hindurch zur seligen Sohnschaft empor. Ihr ganzes Argument besteht in der Vermengung des Samenhaufens und in der Scheidung nach dem Ursprung und in der Zurückbringung der vermengten Dinge auf ihren ursprünglichen Platz. Jesus ward also der Uranfang der Scheidung, und auch sein Leiden hatte keinen anderen Zweck, als das Vermengte [S. 211] zu scheiden. Die Sohnschaft, die in der Gestaltlosigkeit zurückgelassen worden war, um Wohltaten zu spenden und zu empfangen, müsse auf dieselbe Art und Weise geschieden werden, wie auch die Scheidung in Jesus sich vollzog. Solche Dinge ersinnt Basilides, der bei den Ägyptern in die Schule ging; er nahm von ihnen gar tiefe Weisheit auf, und das brachte solche Früchte.

1: Röm. 8, 19. 22.
2: Is. 35, 10; 51, 11.
3: Joh. 2, 4.
4: Matth. 5, 12.

 

 

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Einleitung. Widerlegung aller Häresien

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger