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Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)
Buch VI.

34.

Die valentinische Vierzahl ist „Quelle, die die Wurzeln der ewigen Natur hat“, und die Sophia, von der die psychische und stoffliche Schöpfung stammt. Die Sophia wird Pneuma genannt, der Demiurg Psyche, der Teufel der Herrscher der Welt, Beelzebub der Herrscher der Teufel. Sie lehren folgendes: Indem sie ihre ganze Lehre zahlenmäßig gestalten, wie ich früher gesagt, behaupten sie, daß die dreißig Äonen innerhalb [S. 171] des Pleromas nochmals für sich andere Äonen auf dieselbe Weise hervorgebracht hätten, auf daß das Pleroma in der vollkommenen Zahl bestehe. Wie nämlich die Pythagoreer Teilungen in zwölf und dreißig und sechzig vornahmen, so machen jene Unterteilungen an den im Pleroma befindlichen Wesen. Auch die Wesen in der Achtzahl werden abgeteilt; die Sophia, die nach ihnen „die Mutter aller Lebewesen“ ist1, und die gemeinsame Frucht des Pleromas bringen siebzig Logos' hervor; diese sind himmlische Engel und wohnen im Jerusalem, das oben2, das in den Himmeln ist. Dieses Jerusalem ist nämlich die Sophia, die außerhalb (des Pleromas) ist, und ihr Bräutigam, die gemeinsame Frucht des Pleromas. Auch der Demiurg hat Seelen (Psychen) hervorgebracht; dies ist die Wesenheit der Seelen. Der Demiurg ist nach ihnen Abraham und sie die Kinder Abrahams. Aus der stofflichen und diabolischen Substanz hat der Demiurg den Seelen die Leiber gemacht. Dies bedeutet das Wort: „Und Gott bildete den Menschen, indem er Lehm von der Erde nahm, und hauchte in sein Antlitz den Hauch des Lebens, und der Mensch wurde zur lebenden Psyche“3. Dies ist nach ihnen der innere Mensch, der psychische, der in dem stofflichen Körper wohnt, dieser (Körper) ist der stoffliche, hinfällige, unvollkommene, aus diabolischer Substanz gebildete (Mensch). Dieser stoffliche Mensch ist nach ihnen gleichwie ein Gasthaus oder ein Aufenthaltsort bald für die Psyche allein, bald für die Psyche und die Dämonen, bald für die Psyche und die Logos'. Diese Logos' sind von oben von der gemeinsamen Frucht und der Sophia in diese Welt gesät worden und wohnen in dem aus Erde gebildeten Leib mit der Psyche, wenn die Dämonen nicht mit der Psyche dort wohnen. Das bedeutet, sagt (Valentinus), was in der Schrift geschrieben steht: „Deswegen beuge ich meine Knie vor Gott, dem Vater und Herrn unseres Herrn Jesus Christus, auf daß euch Gott [S. 172] gewähre, daß Christus im inneren Menschen wohne“4 d. i. im psychischen, nicht im körperlichen, „auf daß ihr zu erkennen vermöget, welches die Tiefe“ (dies ist der Vater des Alls) „und welches die Breite“ (dies ist der Stauros, der Horos des Pleromas) „und welches die Länge“5 (dies ist das Pleroma der Äonen). Deswegen „nimmt der psychische Mensch nicht auf, was des Geistes (Pneuma) Gottes ist; denn es ist ihm Torheit“6; Torheit ist die Kraft des Demiurgen, töricht nämlich war er und unverständig, und er vermeinte selbst die Welt zu bilden, und wußte (gar) nicht, daß die Sophia die Mutter, die Achtzahl, alles zur Schaffung der Welt für ihn, der nichts versteht, wirkt.

1: Gen. 3, 20.
2: Gal. 4, 26.
3: Gen. 2, 7.
4: Eph. 3, 14. 16—19.
5: Eph. 3, 14. 16—19.
6: 1 Kor. 2, 14.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitung. Widerlegung aller Häresien

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger