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Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)
Buch IV.

43.

Unter den vielen forschenden Philosophen kam es in bezug auf das Wesen und die Eigenschaften Gottes zu keiner Übereinstimmung. Denn die einen sagen, er sei Feuer, andere, er sei Luft, andere, er sei Wasser, andere, er sei Erde. Jedes Element aber hat einen Mangel, und das eine wird vom andern übertroffen. Die Weisen der Welt (dies ist den Verständigen klar) ließen sich beim Anblick der Größe der Schöpfung in bezug auf das Wesen des Alls verwirren und glaubten, daß es zu groß sei, als daß es durch jemand anderen geschaffen sein könne, daß aber auch das ganze Universum selber nicht Gott sei. Sie nahmen bei ihrer theologischen Forschung als Ursache eines der sichtbaren Wesen an, und [S. 76] zwar das, welches sie für das erste hielten1. Da sie so den Werken Gottes und dem, was im Vergleich zu seiner überragenden Größe winzig ist, ihre Aufmerksamkeit schenkten, ohne die Größe des wahren Gottes erfassen zu können, haben sie diese Dinge für Gott angesehen. Die Perser, die in das Innerste der Wahrheit gedrungen zu sein wähnten, sagten, Gott sei etwas Lichtes, das in der Luft enthaltene Licht. Die Babylonier hingegen sagten, Gott sei Dunkel, das Dunkel zeigt sich als Folge aus dem ersteren; denn der Nacht folgt der Tag, dem Tage die Nacht. Die Ägypter aber, die die allerältesten zu sein glaubten, meinten, die Macht Gottes sei....... Sie nehmen an, diese Entfernungen der Teile stammten aus dem göttlichsten Hauche, und sagten, Gott sei eine unteilbare, sich selbst erzeugende Monas (Einheit), und aus ihr sei das All geschaffen. Denn, sagen sie, da sie unerzeugt ist, zeugt sie die folgenden Zahlen, z. B. die Einheit, zu sich selbst gezählt, erzeugt die Zweiheit, ebenso nochmals dazu gezählt die Dreiheit, und die Vierheit bis zur Zehnheit, die Anfang und Ende der Zahlen ist, so daß die Einheit an erster und zehnter Stelle ist; denn auch die Zehnheit gilt und zählt gleichviel wie die Einheit. Sie gibt verzehnfacht die Hundertzahl, und diese ist wiederum eine Einheit, und die Hundert verzehnfacht gibt die Tausendzahl; auch sie ist eine Einheit. Da tausendmal Zehn eben die Zehntausendzahl ergeben, so ist diese gleichfalls eine Einheit. Mit der Einzahl verwandt in bezug auf Unteilbarkeit sind drei, fünf, sieben, neun. Eine andere Zahl ist mit der Einzahl noch näher verwandt gemäß der Wirkweise des sechsfachen Kreises2, nämlich die Zweizahl, gemäß der Zusammenstellung und Teilung der Zahlen. Verwandt ist die Zahl vier mit acht. Diese Zahlen, die spekulativ aus der Einheit ihren Ursprung erhalten haben, verursachen eine Teilung in die Grundstoffe3, nämlich Luft und Feuer, Wasser und Erde. Und [S. 77] daraus bildete der Weltschöpfer die Welt als Mannweibliches; zwei Elemente wies er der oberen Halbkugel zu, Luft und Feuer, und diese, die Halbkugel der Einheit, heißt wohltuend, emporhebend und männlich. Denn da die Einheit feiner Natur ist, fliegt sie nach dem feinsten und reinsten Teil des Äthers. Die beiden anderen Elemente, die dichter sind, wies er der Zweizahl zu, Erde und Wasser, und diese Halbkugel heißt herabziehend, weiblich und übeltuend. In der Verbindung der beiden oberen Elemente liegt auch das Männliche und das Weibliche zur Fruchtbarkeit und zum Wachstum des Alls. Und zwar ist das Feuer männlich, die Luft weiblich, und wiederum ist das Wasser männlich, die Erde weiblich. Und so hat seit Anbeginn Feuer mit der Luft, mit der Erde Wasser Gemeinschaft. Denn wie das Feuer eine Potenz der Luft ist, so das Wasser eine Potenz der Erde.......

Auch die Elemente selber gehen, wenn sie gerechnet und aufgelöst werden, durch die Subtraktion der Neunzahl nach ihrer Eigenart teils in die männliche, teils in die weibliche Zahl auf. Die Neunzahl wird aus diesem Grunde subtrahiert, weil die 360 Teile des Weltalls aus Neunzahlen bestehen und deswegen die vier Weltgegenden neunzig vollständige Teile umfassen. Der Einzahl ist das Licht zugeeignet. Der Zweizahl die Finsternis und dem Lichte in der Natur das Leben, der Zweizahl der Tod und dem Leben das Recht, dem Tod das Unrecht. Deshalb ist alles, was in den männlichen Zahlen geboren ist, wohltuend, und was in den weiblichen, übeltuend; sie rechnen: Einzahl, um damit anzufangen, wird 361, was, wenn die Neunzahl subtrahiert ist, auf die Einzahl aufgeht. Ähnlich rechnen sie: Zweizahl wird 605, subtrahiere die Neunzahl; es geht in die Zweizahl auf, und jedes kehrt in das Seine zurück.

1: Diels.
2: Cruice vermutet hierunter ein Musikinstrument.
3: Verderbte Stelle. Übersetzungsversuch nach Wendland und Roeper.

 

 

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Einleitung. Widerlegung aller Häresien

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger