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Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)
Buch IV.

14.

Diejenigen also, welche glauben, mittels Rechensteinen und Zahlen, Buchstaben und Namen weissagen zu können, nahmen zum Ausgangspunkt der Untersuchung für ihre Lehre die Behauptung, es gebe eine Grundzahl für jede Zahl; bei den Tausendern geben so viele Einheiten, als es Tausender sind, die Grundzahl, z. B. bei Sechstausend ist die Grundzahl sechs [S. 56] Einheiten, bei Siebentausend ist sie sieben Einheiten, bei Achttausend ist sie acht Einheiten und bei den anderen ebenso, und bei den Hunderten ist die Grundzahl ebenso viele Einheiten als es Hunderter sind, z. B bei Siebenhundert sind es sieben Hunderter, die Grundzahl ist sieben Einheiten, bei Sechshundert sind es sechs Hunderter, die Grundzahl ist sechs Einheiten. Dasselbe gilt auch von den Zehnern, bei Achtzig sind es acht Einheiten, bei Sechzig sind es sechs Einheiten, bei Vierzig sind es vier Einheiten, bei Zehn ist es eine Einheit. Bei den Einern sind die Grundzahlen die Einheiten selbst, z. B. bei neun neun, bei acht acht, bei sieben sieben. So muß man es auch bei den Buchstaben machen, denn jeder Buchstabe hat einen bestimmten Zahlenwert, z. B. Ny hat fünfzig Einheiten; die Grundzahl von fünfzig ist fünf; ebenso ist vom Buchstaben Ny die Grundzahl fünf. Es sollen nunmehr aus irgendeinem Namen die Grundzahlen gezogen werden. Z. B. beim Namen Agamemnon hat Alpha eine Einheit, Gamma drei, das zweite Alpha eine, My vier, Epsilon fünf, My vier, Ny fünf, Omega acht, Ny fünf, zusammengestellt: 1, 3, 1, 4, 5, 4, 5, 8, 5; dies addiert gibt sechsunddreißig. Man nimmt davon wiederum die Grundzahlen; von dreißig ist die Grundzahl drei, von sechs die Grundzahl sechs. Drei und sechs gibt zusammengerechnet neun, von neun ist die Grundzahl neun. Das Wort Agamemnon beruht also auf der Grundzahl neun. Nun wollen wir es mit einem anderen Namen versuchen, mit Hektor. Das Wort Hektor hat die Buchstaben Epsilon, Kappa, Tau, Omega, Rho; die Grundzahlen davon sind fünf, zwei, drei, acht, eins; diese addiert gibt neunzehn; von zehn ist die Grundzahl eins, von neun die Grundzahl neun, diese addiert gibt zehn; von zehn aber ist die Grundzahl eins. Rechnerisch also ergibt das Wort Hektor als Grundzahl eins. Schneller noch führt folgendes Verfahren zum Ziel: Die aus den Buchstaben gefundenen Grundzahlen, wie wir jetzt beim Wort Hektor neunzehn gefunden haben, teile durch neun und nimm den Rest als Grundzahl; z. B. wenn ich neunzehn durch neun teile, bleibt als Rest eins, denn neunmal zwei ist gleich achtzehn, und eins bleibt übrig; denn wenn ich von [S. 57] neunzehn achtzehn subtrahiere, bleibt eins, daher muß die Grundzahl von Hektor eins sein. Die Grundzahlen des Wortes Patroklos sind folgende: acht, eins, drei, eins, sieben, drei, sieben, zwei; addiert geben sie vierunddreißig, der Rest davon ist sieben; von dreißig nämlich drei und von vier vier, die Grundzahl des Wortes Patroklos ist also sieben. Die nach dem Neunersystem rechnen, nehmen aus der Summe der Grundzahl das durch neun Teilbare weg und bestimmen den Rest als Grundzahl; die aber nach dem Siebenersystem rechnen, das Vielfache von sieben; so ergibt sich als Summe der Grundzahlen beim Worte Patroklos 34; dieses dividiert durch sieben gibt vier, das ergibt 28, und übrig bleibt sechs; Grundzahl des Wortes Patroklos ist sechs nach dem Siebenersystem. Wenn die Zahlensumme aber dreiundvierzig ist, ist das Vielfache von sieben zweiundvierzig, denn siebenmal sechs ist gleich zweiundvierzig, und als Rest bleibt eins. Eins ist also Grundzahl von dreiundvierzig nach dem Siebenersystem. Man muß aber achtgeben, wenn die erhaltene Zahl bei der Division restlos aufgeht. Z. B, wenn ich aus einem Namen beim Zusammenzählen als Grundzahl sechsunddreißig finde. Die Zahl sechsunddreißig, geteilt durch neun, gibt gerade vier Neuner, denn neunmal vier macht sechsunddreißig, und es bleibt kein Rest. Also ist offenbar die Grundzahl neun. Und wiederum, wenn es sich zeigt, daß bei der Division mit neun die Zahl 45 restlos aufgeht — denn neunmal fünf ist fünfundvierzig, und nichts bleibt übrig —, gilt bei solchen Zahlen neun selber als Grundzahl. Ähnlich ist es beim Siebenersystem, wenn wir beispielsweise die Zahl achtundzwanzig durch sieben restlos dividieren — denn siebenmal vier ist achtundzwanzig, und es bleibt kein Rest —, heißt die Grundzahl sieben. Wenn man nun die Namen berechnet und zweimal denselben Buchstaben findet, zählt dieser nur einmal, z. B. der Name Patroklos hat das o zweimal; man rechnet also o nur einmal, darnach sind die Grundzahlen acht, eins, drei, eins, sieben, zwei, drei, zwei und addiert siebenundzwanzig, und Grundzahl des Namens ist nach dem Neunersystem neun und nach dem Siebenersystem sechs. So gibt Sarpedon nach dem [S. 58] Neunersystem gerechnet zwei als Grundzahl, Patroklos gibt aber neun; Patroklos ist Sieger. Denn da die eine Grundzahl ungerade, die andere gerade ist, siegt die ungerade, wenn sie größer ist. Bei acht und fünf siegt, da acht gerade und fünf ungerade ist, acht, denn es ist die größere Zahl. Wenn aber zwei Zahlen, z. B. beide Gerade oder beide Ungerade sind, siegt die kleinere. Wie aber ergibt Sarpedon nach dem Neunersystem zwei? Es wird nämlich der Buchstabe Omega ausgelassen. Wenn nämlich in einem Worte der Buchstabe Omega und Eta vorkommt, lassen sie Omega aus und zählen nur einen Buchstaben, denn sie sagen, beide (Buchstaben) bedeuten dasselbe; dieselbe Zahl aber wird, wie schon gesagt, nicht zweimal gerechnet. Der Name Aias ergibt vier Einheiten, Hektor nach dem Neunersystem eine Einheit; vier ist eine gerade, eins eine ungerade Zahl. In solchen Fällen, sagten wir, siege die größere Zahl, es siegt Aias; Wie steht es mit Alexandros und Menelaos? Alexandros hat als eigentlichen Namen Paris. Paris aber zählt nach dem Neunersystem vier, Menelaos nach dem Neunersystem neun; neun siegt über vier; denn es heißt, wenn eine Zahl ungerade ist, die andere gerade, siegt die größere; wenn beide gerade oder beide ungerade, die kleinere. Nun zu Amykos und Polydeukes. Amykos zählt nach dem Neunersystem zwei und Polydeukes sieben; es siegt Polydeukes. Aias und Odysseus kämpften beim gleichen Wettkampf. Aias ergibt nach dem Neunersystem vier, Odysseus acht nach demselben System. Ist also der Name Odysseus etwa nur ein Zuname, nicht der eigentliche? Er siegte ja. Nach den Zahlen siegt Aias, die Geschichte nennt Odysseus als Sieger. Achilleus und Hektor: Achilleus gibt nach dem Neunersystem vier, Hektor eins; Achilleus siegt. Ferner Achilleus und Asteropaios: Achilleus ergibt vier, Asteropaios drei; Achilleus siegt. Weiters Menelaos und Euphorbos: Menelaos hat neun Einheiten, Euphorbos acht; Menelaos siegt. Manche rechnen nach dem Siebenersystem nur mit den Vokalen, andere gruppieren Vokale, Halbvokale, Muten eigens, bilden drei Gruppen, nehmen für Vokale, Halbvokale und Konsonanten eigene Grundzahlen an und behandeln jede gesondert. [S. 59] Andere rechnen auch nicht mit den gewöhnlichen Zahlen, sondern mit anderen; so sagen sie beispielsweise, der Buchstabe Rho habe als Grundzahl nicht acht, sondern fünf, der Buchstabe Xi habe als Grundzahl vier. Sie haben alle möglichen Variationen und finden doch nichts Vernünftiges. Wenn manche zum zweitenmal miteinander kämpfen, nehmen sie von beiden Namen den ersten Buchstaben weg, wenn zum drittenmale, zwei auf beiden Seiten, berechnen das übrige und entscheiden dann.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger