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Gregorius Thaumaturgus († 270-75) - Lobrede auf Origenes (In Origenem oratio panegyrica)

8.

Aber nicht nur diese Seite meiner Seele, deren Heranbildung nur der Dialektik zufällt, suchte er zu wecken und zu entwickeln, sondern auch ihren niedrigen Teil. Ich war ja allerdings in Staunen versunken über die Großartigkeit und Bewunderungswürdigkeit sowie über die mannigfaltige und höchst weise [S. 238] Einrichtung der Welt; ich war, wenn auch ohne tiefere Einsicht, von Bewunderung hingerissen und von ehrfurchtsvoller Hochachtung ganz eingeschüchtert, aber einem unvernünftigen Wesen gleich verstand ich nicht das Geringste zu erklären. Da weckte und entwickelte er auch dieses Vermögen in mir durch anderweitige Wissenszweige, nämlich die Naturwissenschaften, erklärte und sichtete jedes einzelne Ding und zwar haarscharf bis zu seinen Urbestandteilen zurück, umfaßte es sodann mit seiner Denkkraft und verfolgte seine natürliche Entwicklung sowohl im ganzen als auch nach seinen Teilen, den vielgestaltigen Wechsel und die Umwandlung der Dinge im Weltall, bis er mich mit sich fortriß durch seine klare Lehrweise und durch die Begründungen, die er sich teils durch Lernen teils durch eigenes Nachdenken über die heilige Anordnung des Weltalls und die auf das vollkommenste eingerichtete Natur angeeignet hatte, und so meiner Seele statt einer gedankenlosen Bewunderung eine solche beibrachte, die auf Vernunftgründen beruhte. Und diesen hohen und göttlichen Zweig des Wissens vermittelt die so allgemein geschätzte Erforschung der Natur (Physiologie). Was soll ich die erhabenen Zweige der Mathematik erwähnen, die allgemein geschätzte und über alle Zweifel erhabene Geometrie und die Astronomie, die sich in überirdischen Gebieten bewegt? Und das alles prägte er meinem Geiste ein durch Belehrung oder durch anregende Erinnerung oder wie ich es sonst heißen soll. Dabei machte er ohne weiteres die erstere, nämlich die Geometrie, da sie etwas Unerschütterliches ist, gleichsam zur Grundlage des Ganzen und sozusagen zu einem festen Unterbau. Da er mich andererseits auch bis zu den höchsten Höhen hinaufführte durch die Astronomie, so machte er mir durch die beiden genannten Wissenschaften wie durch eine himmelhohe Leiter den Himmel zugänglich.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger