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Gregorius Thaumaturgus († 270-75) - Lobrede auf Origenes (In Origenem oratio panegyrica)

2.

Ich aber will wie ein Unbemittelter, dem solche bunte Farben nicht zur Verfügung stehen — sei es nun, [S. 217] daß ich sie überhaupt nie besessen oder auch daß ich sie vielleicht verloren habe — gleichsam wie nur mit Kohlen oder irdenen Täfelchen1 mit den mir vertrauten und mit alltäglichen Worten und Redensarten nach Maßgabe meiner Kräfte die Urbilder meiner Seelenstimmungen mit den mir geläufigen Ausdrücken abzeichnen und nachbilden, indem ich es versuche die Züge meiner geistigen Bilder, wenn auch nicht klar und mit vielem Schmucke, so doch wenigstens im Kohlenabrisse darzustellen. Kommt mir dabei irgendwo ein anmutiger und wohlklingender Ausdruck in den Weg, so heiße ich ihn herzlich willkommen, ist dies nicht der Fall, so will ich mich nach einem solchen umsehen.

Aber es ist auch noch ein dritter Umstand, der mich außerdem zurückhält und abwendig macht und mir noch weit mehr als die erwähnten Einhalt gebietet, ja mir vorschreibt einfach still zu sein, und das ist der mir vorliegende Gegenstand. Seinetwegen fühlte ich mich zwar von Begierde hingerissen zu reden, aber jetzt muß ich zögern und mich sträuben. Ich beabsichtige nämlich über einen Mann zu sprechen, der zwar, äußerlich betrachtet, ein Mensch zu sein scheint, aber in den Augen derer, die in die Tiefe seines Charakters einen Blick hinabzuwerfen vermögen, bereits mit höheren Vorzügen ausgestattet ist, die ihn der Gottheit näher bringen. Ich habe auch nicht im Sinne seine leibliche Abstammung und Erziehung zu rühmen; denn auch da fühle ich mich eingeschüchtert und zurückgehalten durch überwältigende Hochachtung; auch nicht seine körperliche Kraft und Schönheit, denn das sind offenbar Gegenstände des Rühmens für Knaben, wobei es weniger darauf ankommt, ob sie nach Gebühr hervorgehoben werden oder nicht. Denn über Dinge, die nicht Dauer und Bestand haben, sondern auf mannigfache Art und schnell vergehen, eine prunkvolle und schon im Eingang hochfeierliche Rede zu halten, das möchte, so fürchte ich, abgeschmackt und zwecklos sein. Ich möchte darüber nicht einmal reden, wenn mir etwas dergleichen [S. 218] als Thema einer Rede gestellt wäre, da es unnütze und hinfällige Dinge sind, Dinge, die ich nie freiwillig als Gegenstand einer Rede mir ausersehen hätte. Freilich bräuchte ich, falls mir wirklich dieses Thema gestellt wäre, bei meiner Rede keineswegs in ängstlicher Verlegenheit oder Sorge zu sein, ich möchte durch irgend eine Äußerung der Würde des Gegenstandes nicht gewachsen erscheinen. Nun aber will ich dessen Erwähnung tun, was an ihm das Gottähnlichste ist, und was in ihm die Wesensverwandtschaft mit Gott ausmacht, einerseits eingeschlossen in diese sichtbare sterbliche Persönlichkeit, andererseits aber unablässig ringend nach der Ähnlichkeit mit Gott. Ich gehe ferner daran mich in gewissem Sinn mit erhabeneren Dingen zu befassen, so auch um seinetwillen der Gottheit meinen Dank dafür abzustatten, daß mir das Glück zuteil geworden ist mit einem so großen Manne in Berührung zu kommen, gegen alle fremde und eigene menschliche Erwartung und ohne daß ich es je beabsichtigt oder auch nur gehofft hätte. Mit so wichtigen Dingen will ich mich befassen trotz meiner gänzlichen Bedeutungslosigkeit und geistigen Beschränktheit: werde ich da nicht mit gutem Grund schüchtern und zaghaft und zum Schweigen geneigt?

Ja wahrlich, es erscheint mir ratsam mich still zu verhalten, damit ich nicht etwa unter dem Vorwande der Dankbarkeit, zugleich aber aus vorschnellem Eifer vielleicht über erhabene und heilige Dinge unedel, einfältig und alltäglich daherrede und so nicht bloß hinter der Wahrheit zurückbleibe, sondern ihr, soweit es bei mir steht, bei denen, die meiner Darlegung Glauben schenken, auch noch Eintrag tue, da sich meine Rede als kraftlos darstellen wird, mehr wie eine Verhöhnung denn durch ihren Gehalt als getreue Schilderung seiner Verdienste. Und doch sind deine Vorzüge, o teures Haupt, über alle Verkleinerung und Verhöhnung erhaben, und noch viel mehr die Gottheit, die in sich unerschütterlich bleibt, wie sie ist, und durch meine unbedeutenden und unwürdigen Worte nicht beeinträchtigt werden kann. Ich aber weiß nicht, wie ich den Eindruck der Verwegenheit und des vorschnellen Eifers [S. 219] vermeiden soll, wenn ich aus Unbesonnenheit mit einem geringen Maße von Verstand und Vorbildung hinüberspringen will auf große und meine Kräfte jedenfalls überragende Dinge. Ja, wenn ich anderswo und vor anderen Zuhörern den Entschluß gefaßt hätte einen solchen jugendlichen Streich auszuführen, wäre ich noch immer bis zu einem gewissen Grade keck und tollkühn; aber es würde doch nicht die Frechheit Schuld sein an meinem vorschnellen Auftreten, weil ich eine solche Verwegenheit nicht dir gegenüber an den Tag legen würde. Jetzt aber will ich das Maß der Unbesonnenheit voll machen oder habe es vielmehr schon voll gemacht, indem ich es gewagt habe sozusagen mit ungewaschenen Füßen das Heiligtum jener Ohren zu betreten, in welchen das Wort Gottes selbst nicht wie für die große Mehrheit der Menschen gleichsam unter dem dicken Leder rätselhafter und unklarer Ausdrücke mit verhüllten, sondern, man könnte sagen, mit entblößten Füßen klar und ganz erkennbar seinen Einzug hält und seinen Aufenthalt nimmt. Ich aber trage meine menschlichen Worte wie eine Art Schmutz und Schlamm an mir und habe es gewagt sie in Ohren einzugießen, die geübt sind reine und göttliche Klänge zu vernehmen. Doch ich habe bis jetzt schon genug gesündigt und jetzt wenigstens soll ich anfangen mich zu mäßigen, indem ich in der Rede nicht weiter fortfahre, sondern sie beschließe, nicht wahr? Ich täte es gern. Indes da ich doch einmal so keck aufgetreten bin, sei es mir gestattet vorerst die Ursache anzugeben, die mich ermutigt hat hier öffentlich aufzutreten; vielleicht dürfte dann diese meine Zudringlichkeit nachsichtige Beurteilung finden.

1: Täfelchen verwendete man im Altertum häufig als Zeichen- und Schreibmaterial.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger