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Ambrosius von Mailand (340-397) - Lukaskommentar (mit Ausschluß der Leidensgeschichte)
Achtes Buch, Luk. 16,14-19,27
8. Die Gefahren des Reichtums, Luk. 18, 24―27: Nicht auf schöne Phrasen, sondern auf den Inhalt kommt es an (70). Das Kamel Typus der Heidenwelt (71), Bild des sündigen Reichen (72). „Ehre Vater und Mutter!“ Pietät der erste Grad der Nächstenliebe: Beispiel Jesu (73—74). Die schuldige Ehrfurcht gegen die Eltern schließt die Pflicht der Verpflegung ein: die Verletzung dieser Pflicht ein schweres Verbrechen, eine große Schande (75—77). Angebliche religiöse Motive (Matth. 15, 5) entschuldigen nicht von dieser Pflicht, sondern bemänteln nur die Habsucht (78) und die Prahlsucht. Geistige Güter lohnen physisches Wohltun (79).

78.

Wir gingen nicht unklug dem dunklen Sinn der Stelle aus dem Weg. Die Juden nämlich lassen, während sie der menschlichen Überlieferung folgen, die göttliche außer acht; die Jünger gaben der göttlichen Überlieferung den Vorzug und kümmerten sich darum, um die menschliche nicht: sie wuschen deshalb die Hände nicht, als sie Brot aßen1 ; denn "wer ganz gewaschen ist, hat nicht vonnöten, daß er die Hände wasche"2 . Jesus hatte sie gewaschen: ein anderes Bad verlangten sie nicht; denn mit der einen Taufe3 hob Christus alle anderen Abwaschungen auf. Wen daher die Kirche abwäscht, hat nicht nochmals der Reinigung vonnöten. Ein Geheimnis also beabsichtigten die Jünger: sie begehrten nicht nach der leiblichen, sondern nach der seelischen Reinigung. Das tadelten die Juden. Doch sie erfahren vom Herrn eine sinnreiche Zurechtweisung, weil sie die eitlen Bräuche beobachteten, die nützlichen verachteten. So spricht er denn zu ihnen: Warum sagt ihr zu Vater oder Mutter, denen man nach der Vorschrift des Gesetzes Ehre erweisen soll: "Alles, was von mir geopfert wird, wird dir frommen"? Das heißt: Wenn der an Lebensbedarf notleidende Vater oder die Mutter etwas vom Sohn erbittet, pflegt dieser, weil ein gesetzesfürchtiger Jude eine Ausrede für das Nichtgeben braucht, zu sagen: "Eine Opfergabe von mir wird dir frommen". Es soll der gottesfürchtige Vater daraufhin sich scheuen, das gottgeweihte Geld anzunehmen. Doch die menschliche Überlieferung ist nur eine Ausrede für solche, welche damit ihre Habsucht bemänteln. Im übrigen lautet die göttliche Überlieferung, man solle erst den Eltern zu essen geben. Denn wenn nach göttlichem Ausspruch schon eine Beschimpfung der Eltern den Tod als Sühne verlangt4 , wieviel mehr Hungersqual, die härter denn der Tod ist?

1: Mt 15,1 ff
2: Joh 13,10
3: Eph 4,5
4: Ex 21,17

 

 

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. 4. Vom Glauben und ...
. 5. Von der Wiederkunft ...
. 6. Die Segnung der ...
. 7. Das Gespräch mit ...
. 8. Die Gefahren des ...
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger