Ambrosius von Mailand (340-397) - Lukaskommentar (mit Ausschluß der Leidensgeschichte) Achtes Buch, Luk. 16,14-19,27 6. Die Segnung der Kinder, Luk. 18,15-17
64. Beide Völker nun, das Heiden- und Judenvolk, werden unter jener drastischen sprachlichen Einkleidung dargestellt, doch die schärfere Strafe über die Juden ausgesprochen. Denn das Gedächtnis der Heiden wird in den Fluten dieser Zeitlichkeit versinken und von den schmutzigen Wegen dieser Welt weggespült werden: sie wollten im Strome des Nichtseienden1 treiben und wurden, von der Gotteserkenntnis abgeschnitten, gleichsam in die Tiefe des Meeres versenkt. Die Juden hingegen wurden in den Patriarchen [als Gottesvolk] aufgenommen, durch die Beschneidung besiegelt, durch das Gesetz unterrichtet und werden darum nicht wie Fremdlinge vergehen, sondern wie Ruchlose bestraft werden. Den Athenern ist Gott unbekannt2 , in Judäa bekannt3 , doch nicht aufgenommen. Des Unwissenden wird nicht gedacht, der Sünder verdammt werden. Einerseits ist der, welcher seinen Schöpfer nicht gekannt, nicht ausgenommen von Schuld, andererseits der, welcher den Herrn nicht aufgenommen, ausgenommen von Vergebung. Erträglicher jedoch ist es an Christus nicht geglaubt als an ihm sich vergriffen zu haben.
1: 1 Kor 1,28 2: Apg 17,23 3: Ps 75,2
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