Ambrosius von Mailand (340-397) - Lukaskommentar (mit Ausschluß der Leidensgeschichte) Achtes Buch, Luk. 16,14-19,27 6. Die Segnung der Kinder, Luk. 18,15-17
58. Wer nun ist das Kind, das die Apostel nachahmen sollten? Etwa ein nächstbestes aus den Kleinen? Soll also darin die Tugend der Apostel bestehen? Wer also ist das Kind? Ob nicht jenes, von dem Jesaias spricht: "Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt?"1 . Das Kind selbst nämlich hat zu dir gesprochen: Nimm dein Kreuz und folge mir!2 . Und damit du das Kind erkennst: "Da es gescholten ward, schalt es nicht wieder; da es geschlagen ward, gab es den Schlag nicht zurück"3 . Das ist die vollkommene Tugend. Es gibt sonach in der Kindheit gleichsam ein ehrwürdiges Alter an Gesittung, und im Alter eine unschuldige Kindheit; "denn das Alter ist ehrwürdig, nicht von der langen Dauer bedingt, nicht nach der Jahre Zahl berechnet: der Menschen Einsicht gilt für Greisenhaar und ein makelloses Leben für Greisenalter"4 . Daher das Schriftwort: "Lobsinget, Kinder, dem Herrn! Lobsinget dem Namen des Herrn!"5 . Denn nur der Vollkommene lobsingt dem Herrn. "Niemand sagt ja 'Herr Jesus' außer im Heiligen Geist"6 .
1: Is 9,6 2: Mt 16,24 3: 1 Petr 2,23;vgl. Mt 5,39 4: Wh 4,8 f. 5: Ps 112,1 6: 1 Kor 12,3
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