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Ambrosius von Mailand (340-397) - Lukaskommentar (mit Ausschluß der Leidensgeschichte)
Siebtes Buch, Luk. 9,27-16,13
19. Die Sünderliebe Gottes: Gleichnis vom verlorenen Schaf, von der verlorenen Drachme, vom verlorenen Sohn, Luk. 15, 1―32: Das heilsökonomische Verhältnis der drei Parabeln zum Vorausgehenden (207). Der Vater in diesen Parabeln Gott Vater, der Hirte der Heiland, das Weib die Kirche (208). Das verirrte Schäflein die gefallene Menschheit (209), gleichsam nur der hundertste Teil der Herde Christi, d. i. der Engelwelt (210). Die Drachme mit der Prägung der Mensch mit dem Bilde Gottes (211). Der umkehrende Sünder braucht nicht fürchten (212). Nicht das Alter, sondern die Abwendung von Gott gefährdet das Vatergut des Glaubens (213). Allegorisch-ethische Deutung der Einzelzüge der Parabel vom verlorenen Sohn (214—220). Taufe und Buße sind nicht auf das Sterbebett zu verschieben (221). Vom Weinberg des Herrn: Die ganze Weltzeit ein Tag, die verschiedenen Welt- und Heilsperioden dessen Stunden (222—223). Gottes Vatergüte gegen den Sünder (224). Des Sünders erstes Bekenntnis das offene Schuldbekenntnis (225) „vor dem Himmel“ (226) in Reue und Demut (227—228). Seine sittliche Auferstehung und Umkehr (229). Des himmlischen Vaters Verhalten gegen den reuigen Sünder im Lichte der Parabel (230—233). Der reuige Sohn Repräsentant der „Seienden“, bezw. der büßenden Menschheit (234), des bußfertigen Sünders (235). Der neidische, irdisch gesinnte Bruder ohne Empfänglichkeit für das Göttliche, ohne Verständnis für das Kirchliche (236—238). Die beiden Brüder vielleicht Repräsentanten des Heiden- und Judenvolkes (239— 241). Auch des letzteren Heil wünscht der himmlische Vater (242—243).

214.

Was führte mehr in die (Gottes-) Ferne als ein Fortgehen aus sich selbst, ein Sichentfernen nicht in räumlicher, sondern sittlicher Beziehung? Ein Sichtrennen dem Sinnen und Trachten nach, nicht durch Länderstrecken? Ein Geschiedensein im Tun und Treiben auf Grund irdischen Schwelgens und Genießens, das wie eine heiße Zone sich dazwischen schob? Wer von Christus sich trennt, ist ein Verbannter aus dem Vaterlande, ein Weltbürger. Doch wir sind nicht „Ankömmlinge und Fremdlinge, sondern sind Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes‟1: wir, die fern waren, sind nahe gebracht worden durch das Blut Christi2. Seien wir nicht mißgünstig gegen jene, die aus dem fernen Lande zurückkommen! Denn auch wir lebten, wie Jesaias lehrt, im fernen Lande. Also liest man: „Denen, die im Lande des Todesschattens saßen, ist ein Licht aufgegangen‟3. Das ferne Land ist also ein Land des Todesschattens; wir aber, „denen Christus der Herr Geist vor dem Angesichte ist4, leben im Schatten Christi. Darum jubelt die Kirche: „In seinen Schatten [S. 446] verlangte es mich und da sitze ich‟5. Jener verpraßte in Schwelgerei die ganze herrliche Ausstattung seiner Natur. So wolle denn du, der du das Bild Gottes empfangen hast, der du sein Ebenbild trägst6, es nicht unvernünftig entstellen und vernichten! Geschöpf Gottes bist du: sprich nicht zum Holze: „Mein Vater bist du‟7, damit du nicht dem Holze ebenbildlich wirst! Denn es steht geschrieben: „Ihnen (den Götzen) ähnlich sollen werden, die sie machen!‟8

1: Eph. 2, 19.
2: Eph. 2, 13.
3: Is. 9, 2.
4: Klagel. 4, 20.
5: Hohesl. 2, 3.
6: Gen. 1, 26.
7: Jer. 2, 27.
8: Ps. 113, 16 (hebr. Ps. 115, 8).

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger