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Ambrosius von Mailand (340-397) - Lukaskommentar (mit Ausschluß der Leidensgeschichte)
Siebtes Buch, Luk. 9,27-16,13

10. Das Gleichnis vom törichten Reichen, Luk. 12, 13―24: Moralische Auslegungen: „Das Erbe der Unsterblichkeit, nicht Geld soll der Mensch anstreben“; nicht Geld, sondern „die Tugend gibt dem Toten das Geleite“ (122). Kein Grund zu Nahrungssorgen für den Menschen (123); deren Ursache letzten Endes die menschliche Habsucht (124), deren Gegenmittel das Gottvertrauen (125). — Mystische Auslegungen: Die Lilien bedeuten die Engel, „die Blumen dieser Welt“ (126). Die Lilien gedeihen unabhängig von des Landmannes Mühe und der Witterung Gunst (127) nur in den (Tugend-) Gärten. Christus die Lilie des Tales (128). Schlußmahnungen und Schlußfolgerungen (129—130).

122.

„Da sprach einer aus der Menge: Meister, sage meinem Bruder, daß er die Erbschaft mit mir teile! Er aber sprach zu ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbteiler über euch gesetzt?‟1 Diese ganze Stelle wird eingefügt, um die Notwendigkeit darzutun, für das Bekenntnis Christi Leiden auf sich zu nehmen, sei es aus Todesverachtung, sei es aus Hoffnung auf Lohn, sei es auf die Ankündigung jener dauernden Strafe hin, der niemals Nachlaß zuteil wird. Und weil vielfach die Habsucht der Tugend ein Bein zu stellen pflegt, darum folgt, um auch diesen Übelstand zu [S. 390] beseitigen, ein Verbot derselben, sowie ein Gleichnis. Es fragt nämlich der Herr: „Wer hat mich zum Richter oder Erbteiler über euch gesetzt?‟ Mit Recht lehnt er, der des Göttlichen wegen herabgekommen war, irdische Händel ab und würdigt sich nicht zum Richter über Streit- und zum Schiedsrichter über Vermögenssachen herab, nachdem ihm das Gericht über die Lebendigen und die Toten2 und die Entscheidung über Verdienst und Mißverdienst zusteht. Nicht also die Sache, die man erbittet, sondern die Person, von der man sie fordert, ist zu berücksichtigen. Und man soll nicht glauben, den auf das Höhere gerichteten Sinn mit minder wichtigen Dingen behelligen zu sollen. Darum wird an unserer Stelle nicht mit Unrecht der Bruder, der den Sachwalter der himmlischen Güter mit vergänglichen Dingen zu belästigen begehrte, abgewiesen, zumal zwischen Brüdern nicht eine richterliche Mittelsperson, sondern die vermittelnde Liebe die Verteilung des Erbes vornehmen sollte. Überhaupt sollten die Menschen die Unsterblichkeit, nicht Geld als Erbe anstreben. Denn umsonst sammelt einer Schätze, wenn er nicht weiß, ob er sie nutznießen werde, wie jener, der, als die vollgefüllten Scheunen durch die neuen Erntefrüchte gesprengt wurden3, Speicher für den überreichen Früchtevorrat herstellen ließ ohne zu wissen, für wen er einsammelte4. Alles bleibt ja in der Welt zurück, was der Welt gehört; und was immer für Erben gesammelt wird, geht an uns vorüber; denn was wir nicht mit uns fortnehmen können, ist nicht unser eigen. Nur die Tugend gibt den Toten das Geleite, nur die Barmherzigkeit folgt uns, die Führerin zum Himmel und die Wegbahnerin5 zu dessen Wohnungen6, die mit dem Ertrag aus dem vergänglichen Gelde den Verstorbenen die ewigen Wohngezelte verschafft. Also bezeugen es des Herrn Weisungen, der im Hinblick auf uns mahnte: „Machet euch Freunde mittels des ungerechten Reichtums, daß [S. 391] sie euch aufnehmen in ihre ewigen Wohnungen!‟7 Eine gute und heilsame Weisung, dazu angetan, daß sie selbst Habsüchtige bestimmen könnte, das Vergängliche mit dem Unvergänglichen, das Irdische mit dem Göttlichen zu vertauschen. Doch weil gar oftmals die Frömmigkeit durch schwaches Vertrauen unterbunden wird, und solche, die zur Hingabe ihres Vermögens bereit wären, durch die Rücksicht auf ihren Lebensunterhalt hiervon abgezogen werden, darum fügte der Herr die Mahnung hinzu:

1: Luk. 12, 13 f.
2: Apg. 10, 42; 2 Tim. 4, 1.
3: ‚cum horrea rumperentur‛ nach Verg., Georg. I 49.
4: Luk. 12, 16―20; vgl. Ps. 38, 7 [hebr. Ps. 39, 7].
5: ‚dux et praevia‛ wohl nach Ovid., Met. XIV 264.
6: Joh. 14, 2.
7: Luk. 16, 9.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger