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Ambrosius von Mailand (340-397) - Lukaskommentar (mit Ausschluß der Leidensgeschichte)
Siebtes Buch, Luk. 9,27-16,13
4. Das Gleichnis vom barmherzigen Samaritan, Luk. 10, 25―37: Wer Christus nicht kennt, kennt auch das Gesetz nicht (69—70). Die Geschichte Jerichos (71—72). Jericho Typus der Welt; der unter die Räuber Gefallene der gefallene Adam; die Räuber die Teufel (73). Der barmherzige Samaritan Christus, durch seine Menschwerdung und Erlösung unser Nächster, unser Heiland. Mystische Deutung der Einzelhandlungen des Samaritans und der Einzelmomente der Erzählung überhaupt (74—84).

73.

Das nun ist die einfache geschichtliche Wahrheit. Faßt man sie von einem höheren Gesichtspunkt ins Auge, deutet sie wunderbare Geheimnisse an. Jericho nämlich ist ein Bild dieser Welt, auf welche der vom Paradiese, d. i. von jenem himmlischen Jerusalem verstoßene Adam infolge des Sündenfalles herabkam: von der Lebenshöhe zur Tiefe sinkend, indem nicht die örtliche, sondern die sittliche Veränderung zur Verbannung seiner Natur führte1. Weit verschieden nämlich von jenem Adam, der ungestörter Seligkeit sich erfreute, fiel er, sobald er sich in das Sündenelend der Welt verirrt hatte, unter die Räuber; und er würde nicht darunter gefallen sein, hätte er nicht den Weg des himmlischen Gebotes verlassen und in ihre Gewalt sich begeben. Wer anders nun sind diese Räuber als die Engel der Nacht und der Finsternis, die wohl manchmal die Gestalt von Engeln des Lichtes annehmen2, doch nicht ständig es vermögen? Diese rauben uns erst das Kleid der geistlichen Gnade, das wir empfangen, und pflegen uns so Wunden zu schlagen; denn wenn wir das Kleid, das wir angezogen, unbefleckt wahren, sind wir den Verletzungen von seiten der Räuber unzugänglich. Sei also auf der Hut, daß du nicht zuvor entblößt werdest, wie Adam, von der Beobachtung des himmlischen Gebotes abgewendet und des Glaubenskleides beraubt, [S. 365] erst entblößt ward3 und so die Todeswunde empfing, an der das ganze Menschengeschlecht zugrunde gegangen wäre, würde nicht jener Samaritan, der herabkam, dessen herbe Wunden geheilt haben.

1: Sieh Allg. Einl., Bd. I S. LI und LIII ff.
2: 2 Kor. 11, 14.
3: Gen. 3, 7.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger