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Ambrosius von Mailand (340-397) - Lukaskommentar (mit Ausschluß der Leidensgeschichte)
Viertes Buch, Luk. 4,1-5,11
1. Die Versuchung Jesu, Luk. 4, 1―13: Exegetische Exkurse gleichen Abstechern auf Küstenfahrten (1). Mehr denn Sirenensang und Lotosfrucht fesselt Christi Wort und Tat den Gläubigen (2). Der Sirenensang ein Bild der verführerischen Lüste der Welt (3). Christi Fasten und Versuchung unser Sieg über Welt und Satan. Die drei Heilsmittel: Taufe, Einsamkeit, Fasten (4). Auge und Ohr Zeugen der Taufe und Taufgnade Christi (5). Christus auch in der Taufe allen alles (6). Sündenfall und Erlösung, Adam und Christus (7). Christus allein der Führer der Menschheit zum Paradies (8—9). Die tausend Fallstricke des Teufels (10). Nur der Herr konnte und kann sie zerreißen (11). Der Köder, der den Teufel in die Falle lockte, Christi leidensfähiger Leib (12). Der fortschreitende Weg, den Christus die Jünger von der Erdenwüste zum Paradiese führte (13—14). Die mystische Zahl Vierzig die Zahl des Herrenfastens (15). Der Scheinhunger des Herrn eine „fromme List“ gegen den Teufel (16). Die drei Hauptwaffen des Teufels: Gaumenlust, Prahlsucht, Ehrsucht (17). Der Teufel wußte das Daß, doch nicht das Wie der Ankunft des Gottessohnes (18); seine erste Versuchung will den Zweifel hierüber beheben; Christi ausweichende Antwort (19). Jesu Gegenwaffe nicht Gottes Macht, sondern Gottes Wort (20). Die Teufelswaffe der Prahlsucht zum Sturz des Menschen von der Tugend- und Verdiensthöhe (21—23). Christi unmittelbare, der Menschen mittelbare (mittels des Fleisches) Versuchung durch den Teufel. Die Notwendigkeit fleischlicher Abtötung (24). Die Bosheit, aber auch die Ohnmacht des Versuchers. Der freie Wille des Menschen das Prinzip der Moralität (25). Der Teufel als Engel des Lichtes Vater der Häresie (26). Die Antwort Christi auf die zweite Versuchung ein Bekenntnis seiner Gleichwesenheit mit dem Vater (27). Die Vergänglichkeit des Irdischen (28). Jegliche Amtsgewalt, weil von Gott, gut; schlecht nur der Mißbrauch des Amtes durch dessen Träger (29). Der Verzicht auf ein weltliches Amt das Bessere (30). Das Streben nach Ämtern und Würden Anstiftung und Fallstrick des Teufels (31—32). Die mystische Bedeutung der Versuchungsgeschichte: Christus löst den dreifachen Fallstrick der Adamssünde (33). Christi Nachfolge unser Schutzmittel dagegen (34). Fleischeslust, Ruhmesglanz und Machtgelüste die drei Quellen ,fast aller Verbrechen‛ (35). Der Teufel weicht der wahren Tugend (36). Der Kampf wider ihn: wie groß läßt er den Christen erscheinen! Die Versuchung kein Übel, sondern Vorbedingung für Sieg und Lohn (37). Beispiel des armen Lazarus, des Petrus, Job u. a. m. (38). Die verschiedenen Waffen des Teufels (39). Jobs Verfluchung des Tages seiner Geburt mystisch-prophetisch zu verstehen (40). Durch Kampf und Leiden zu Sieg und Seligkeit (41): Beispiel des ägyptischen Joseph, der Märtyrer (42).

35.

„Und als der Teufel alle Versuchungen erschöpft hatte, wich er von ihm auf eine Zeit‟1. Die Quelle fast aller Verbrechen bilden, wie sich klar daraus ergibt, jene (obigen) drei Arten von Lastern. Denn es würde die Schrift nicht die Wendung „alle Versuchung erschöpfen‟ gebraucht haben, wenn nicht in jenen dreien der Grundstoff aller Sünden läge, deren Keim schon im Entstehen erstickt werden muß. Das Aufhören der Versuchungen fällt demnach mit dem Aufhören der Begierden zusammen, weil auch die Ursachen der Versuchungen mit den Ursachen der Begierden sich decken; die Ursachen der Begierden aber sind Fleischeslust, Ruhmesglanz und Machtgelüste. Eine wie religiöse Tat scheint es zu sein, wenn man das Zusammenwohnen mit einer christlichen Frau nicht [S. 178] ablehnt!2 Doch häufig ersteht hieraus Versuchung. Sieht der Teufel ihre Hingabe an Gott, kommt er mit seinen Einflüsterungen, um sie zu täuschen. Du aber denk an deine Natur und meide, so sehr du auf deinen Vorsatz bauen magst, die Versuchung! Die Meidung jener drei (Laster) machte, wenn du dich erinnern wolltest, auch Paulus zur Vorschrift, indem er drei Arten von Sünden bezeichnet, von denen man sich frei halten soll, um so der Krone der Gerechtigkeit zu harren3: „Denn‟, spricht er, „weder haben wir uns eines schmeichlerischen Wortes bedient, noch einen Vorwand zur Habsucht gebraucht ― Gott ist Zeuge ― noch suchten wir Ehre von seiten der Menschen‟4. Darum auch hat er den Teufel besiegt, nach der Krone ausgelangt.

1: Luk. 4, 13.
2: Anspielung auf das sog. Syneisaktentum, wonach seit dem 2. Jahrh. nicht selten christl. Jungfrauen oder Witwen mit Klerikern und Mönchen zur gegenseitigen aszetischen Förderung und zum Schutze des schwachen Geschlechtes zusammenwohnten. Als das Institut von seiner idealen Höhe herabsank, kämpften Kirchenväter (schon Cyprian) und Konzilien wider dasselbe an.
3: 2 Tim. 4, 8.
4: 1 Thess. 2, 5 f.

 

 

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Gregor Emmenegger