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Ambrosius von Mailand (340-397) - Lukaskommentar (mit Ausschluß der Leidensgeschichte)
Drittes Buch, Luk. 3,23-38
2. Der Stammbaum Christi im besonderen, Luk. 3, 23―38: Joseph auf Grund der Leviratsehe der leibliche Sohn Helis (Luk.), der gesetzliche Sohn Jakobs (Matth.) (15). Die Zahl 3x14 (Matth.) wie 50 (Luk.) eine heilige Zahl (16). Die Frauen im Stammbaum Christi (17). Thamar „nicht so sehr eine berüchtigte als gerechte Frau" (18). Die Geburt des Phares und Zara, der Zwillingssöhne des Judas und der Thamar (19—20), der mystischen Vorbilder des Gesetzes und des Evangeliums (21). Das Evangelium die erste Norm der Gottesverehrung schon im Zeitalter der Patriarchen (22), das Gesetz die zweite im Zeitalter der Könige und Priester (23). Zara Typus Christi, Phares (,Riß‛) Sinnbild der Scheidewand des Gesetzes (24—25), die von Christus beseitigt wurde (26—27). Die in den Fesseln des Gesetzesbuchstabens schmachtende Synagoge die Magd, die Kirche die Freie, wir die Kinder der Freien (28—29). Ruth in ihrem Sittenwandel über den Gesetzesbuchstaben erhaben, mehr wegen der geistigen als leiblichen Verwandtschaft unter die Vorfahren Christi aufgenommen (30). Die Geschichte der Ruth (31). Des Booz Pflichtehe mit ihr (32). Ruth Typus der zur Kirche berufenen Heidenwelt (33—34). Aus ihrem Geschlechte in Ephrata (Bethlehem) geht Christus hervor (35). Sünder im Stammbaum Christi bei Matth. (36). Davids Sünde mit Bethsabee eine Mahnung zur Demut (37), Davids Ehe mit derselben Vorbild der bräutlichen Verbindung Christi mit der Kirche. Das Bußbeispiel Davids (38). Nochmals die Doppelverheißung an David (39). Des Jechonias (Joachim) Sünde und Strafe (40). Die Herodianer ein nichtjüdisches, nichtlegitimes Königsgeschlecht (41). Christus der Träger des legitimen Königtums, der Erbe des Thrones und Reiches Davids (42—43), eines ewigen, universellen, überweltlichen Reiches (44). Scheinbare Widersprüche in den genealogischen Zahlenangaben bei Matth. (45—46). Die vier Söhne Jakobs im Geschlechtsregister des Luk. typische Tugendvorbilder (47). Noe, Mathusala, Henoch und Seth (48), insbesondere aber Adam Nachbild Gottes, Typus Christi, des Bildes Gottes, des zweiten Adam (49). Schluß des dritten Buches (50).

22.

Der jüngere von diesen Brüdern bedeutet die zweite Phase der Gottesverehrung. Die erste nämlich haben wir bei den Patriarchen, die zweite bei den Königen und Propheten. Beide bedeuten ein Leben nach Gott. Denn auch jene, die nach dem mosaischen Gesetze einen frommen und gottesfürchtigen Kampf kämpften, blieben von Gnade und Ehre nicht ausgeschlossen: doch früher als in den Erbfolgern reifte die Frucht der Gottesverehrung in den Vätern; denn früher regte sich Zara, d. i. übersetzt der „Aufgang‟. Das Licht der Gottesverehrung nämlich ist der Widerschein vom wahren Aufgang, von jenem fürwahr, der gesprochen: „Aufgang ist mein Name‟1, dessen erster Lichtstrahl in den Patriarchen aufleuchtete. Denn diese traten mit [S. 133] der Betätigung ihres Lebens zuerst in der Welt hervor, und in ihrer Hand regte sich vorbildlich und zum voraus auch unser Handeln gleich dem eines vollentwickelten Organismus, ob wir auch noch gleichsam im Mutterschoße der Natur schlummerten. Doch wie eine Wandung war zwischenhinein die Gesetzesbeobachtung geschoben: eine Art Riß in das Leben der Altvordern. Darauf nun bezieht sich die Äußerung, die von der typischen Person der Wehmutter, vielleicht der Gerechtigkeit, die uns vom Mutterschoße der Natur weg aufgenommen, berichtet wird: „Dieser soll zuerst hervorkommen.‟ Ja fürwahr wunderbar war jene Stufenfolge der Gottesverehrung, nicht von Moses, „nicht von einem Menschen, noch durch einen Menschen‟2 diesem eingeprägt, sondern gleichsam durch die Gabe der Weisheit, die ohne sein Zutun sich ihm einsenkte.

1: Zach. 6, 12.
2: Vgl. Gal. 1, 1.

 

 

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