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Ambrosius von Mailand (340-397) - Lukaskommentar (mit Ausschluß der Leidensgeschichte)
Zweites Buch, Luk. 1,26-3,22
10. Die Taufe Christi. Theophanie, Luk. 3, 21―22: Zweck und Grund der Taufe Christi: Weihe des Taufwassers, Erfüllung des Gesetzes (83). Der Gottessohn allein sollte und konnte die Kirche bauen — nichts läßt sich ohne ihn auch nur beginnen — (84), wie Gott allein die Welt und den Menschen erschaffen hat (85). Die aus der Rippe Adams geschaffene Eva Typus der aus Christi Seite hervorgegangenen (86), fort und fort im Ausbau begriffenen Kirche (87). Deren Zukunftshoffnung die Entrückung zum Himmel (88). Niemand anderer als der Gottessohn ist Gründer der Kirche (89). Der sündelose Heiland als Repräsentant und Vorbild des sündigen Menschen Empfänger der Bußtaufe (90), sein Beispiel das stärkste Motiv für denselben. Aus der Niedrigkeit seines Lebens bricht überall der Strahl des Göttlichen hervor (91). Die trinitarische Theophanie bei der Taufe Christi. Die Taube Symbol des Heiligen Geistes, bezw. der Taufgnade (92). Der Heilige Geist, sichtbar im Symbole, und der unsichtbare Vater in und mit dem menschgewordenen Sohne Gründer der Kirche (93—94). Der Gottessohn, eins mit dem Vater im Sein und Wirken, das Mißfallen der Arianer, das Wohlgefallen des Vaters (95).

86.

Einen weiteren Aufschluß, zu dem mich die geschaffenen Werke Gottes über das hinaus, was ich (in der Genesis) lese, noch zwängen, wüßte ich nicht zu finden. Da kommt der Apostel meinem heißen Verlangen entgegen und machte mir die Bedeutung der Textstellen1, die ich nicht verstand: „Bein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch‟, und: „Man soll sie Männin heißen, weil sie von ihrem Manne genommen ward‟ kraft des Göttlichen Geistes offenbar, indem er beteuert: „Ein großes Geheimnis ist dies‟2. Was für ein Geheimnis? „Die zwei werden ein Fleisch sein‟, [S. 107] und: „Es wird der Mensch Vater und Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen‟, und: „Glieder seines Leibes sind wir, von seinem Fleisch und seinem Gebein‟3. Wer ist dieser Mann, um deswillen das Weib die Eltern verlassen soll? die Kirche hat die Eltern verlassen, indem sie sich auf den prophetischen Ruf: „Vergiß dein Volk und deines Vaters Haus!‟4 aus den Heidenvölkern sammelte. Um welchen Mannes willen, wenn nicht vielleicht um dessentwillen, von dem Johannes beteuert: „Nach mir kommt ein Mann, der mir voran ist‟?5 von dessen Seite, da er schlief, Gott die Rippe nahm? Jener ist’s, der „sich schlafen legte und ruhte und wieder aufstand, weil der Herr ihn aufnahm‟6. Was bedeutet dieses Mannes Rippe anders als Kraft? Denn in dem Augenblick, da ein Soldat dessen Seite öffnete, entströmte ihr sogleich Wasser und Blut7, das für das Leben der Welt vergossen ward. Dieses Leben der Welt bedeutet die Rippe Christi, sie ist die Rippe des zweiten Adam; denn „der erste Adam ward eine lebendige Seele, der letzte Adam ein lebendigmachender Geist‟8. „Der letzte Adam‟ ist Christus, die Rippe Christi das Leben der Kirche. „Wir sind sonach die Glieder seines Leibes, von seinem Fleisch und seinem Gebein‟9. Und vielleicht ist es diese Rippe, von der er sprach: „Ich fühle, daß eine Kraft von mir ausgegangen ist‟10. Das ist die Rippe, die von Christus ausging, ohne seinen Körper zu schmälern; denn nicht körperlich, sondern geistig ist die Rippe, der Geist aber ist selbst nicht teilbar, „teilt indes jedem zu, wie er will‟11. Das ist die Eva, „die Mutter aller Lebendigen‟12. Verstehst du nämlich die Stelle vom „Suchen des Lebendigen bei den Toten‟13 recht, so hast du unter den „Toten‟ jene zu verstehen, die ohne Christus sind, die am Leben nicht teilhaben; denn das heißt an Christus nicht teilhaben, weil [S. 108] Christus das Leben ist. Die Mutter der Lebendigen ist sonach die Kirche, die Gott aufbaute, „wobei Christus Jesus selbst der Eckstein ist, in welchem der ganze Bau zusammengefügt ist und zum Tempel emporwächst‟14.

1: Gen. 2, 23.
2: Eph. 5, 32.
3: Eph. 5, 30 f.
4: Ps. 44, 11 [hebr. Ps. 45, 11].
5: Joh. 1, 30.
6: Ps. 3, 6 [hebr. Ps. 3, 6].
7: Joh. 19, 34.
8: 1 Kor. 15, 45.
9: Eph. 5, 30.
10: Luk. 8, 46.
11: 1 Kor. 12, 11.
12: Gen. 3, 20.
13: Luk. 24, 5.
14: Eph. 2, 20 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger