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Ambrosius von Mailand (340-397) - Lukaskommentar (mit Ausschluß der Leidensgeschichte)
Zweites Buch, Luk. 1,26-3,22

8. Das verborgene Leben Jesu in Nazareth, Luk. 2, 51―52: Jesus den Eltern, wie auch dem himmlischen Vater aus Pietät, nicht Inferiorität gehorsam. Der Knabe Jesus das Ideal der Kindespflicht und -liebe (65—66).

65.

„Und er kam nach Nazareth und war ihnen untertan‟1. Was hätte denn der Lehrer der Tugend erfüllen sollen als die Kindespflicht? Und dürfen wir uns wundern, wenn er, welcher der Mutter untertan ist, auch dem Vater willfährig sich erweist? Auf keinen Fall ist diese Unterwürfigkeit ein Zeichen der Schwäche, sondern nur der Pietät, mag auch der Drache des Unglaubens aus finsterem Versteck heraus das Haupt erheben und Gift aus seiner Schlangenbrust dagegen ausspeien. Spricht der Sohn, [S. 90] er sei gesendet, nennt der Häretiker den Vater größer, um den Sohn als unvollkommen hinzustellen, nachdem er einen Größeren über sich haben kann; um ihn als fremder Hilfe bedürftig zu erklären, da er gesendet wird. Bedurfte er etwa auch menschlicher Hilfe, um einem mütterlichen Befehle sich zu unterwerfen? Er war willfährig einem Menschen, willfährig einer Magd ― sie selbst spricht nämlich: „Sieh, eine Magd des Herrn!‟2 ― willfährig einem Putativvater: und du wunderst dich, daß er Gott willfährig war? Oder ist Willfährigkeit gegen den Menschen Pietät, Willfährigkeit gegen Gott Schwäche? So mache doch wenigstens vom Menschlichen einen Schluß auf das Göttliche und erkenne, was dem Vater an Liebe gebührt! Der Vater verherrlicht den Sohn3: willst du nicht, daß der Sohn den Vater verherrliche?4 Der Vater beteuert mit der Stimme vom Himmel sein Wohlgefallen am Sohne5: willst du nicht, daß der Sohn im Kleide des menschlichen Leibes, mit menschlicher Stimme, mit menschlichem Empfinden rede und den Vater größer nenne?6 Wenn „groß der Herr und preiswürdig überaus und seiner Größe kein Ende ist‟7, so hat doch seine Größe, die kein Ende hat, auch keine Mehrung. Doch warum sollte ich nicht mit frommem Ohre vernehmen, daß der Sohn dem Vater in der Menschwerdung gehorsam ward, wenn ich frommes Sinnes vernehme, daß der Vater dem Sohn willfahrte?

1: Luk. 2, 51.
2: Luk. 1, 38.
3: Joh. 8, 54.
4: Joh. 8, 49.
5: Luk. 3, 22.
6: Joh. 14, 28.
7: Ps. 144, 3 [hebr. Ps. 145, 3].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger