Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Ambrosius von Mailand (340-397) - Lukaskommentar (mit Ausschluß der Leidensgeschichte)
Erstes Buch, Luk. 1, 1―25

5. Die Empfängnis des Täufers, Luk. 1,24-25: Jedes Ding hat seine Zeit, auch der eheliche Geschlechtsverkehr, der einzig der Kindererzeugung dienen sollte (43). Tier- und Pflanzenreich sind Beweis und Vorbild hierfür (44). Elisabeth schämte sich der Empfängnis eines Kindes im Alter (45), freute sich der Empfängnis eines Propheten aus Gnade (46).

43.

[S. 44] „Nach diesen Tagen aber empfing Elisabeth, sein Weib, und sie verbarg sich fünf Monate lang, indem sie sprach: Was hat der Herr mir also getan in diesen Tagen, da er mich angesehen, um meine Schmach vor den Menschen von mir zu nehmen?‟1.

Die Heiligen halten viel auf Wohlanständigkeit; selbst in erwünschten Dingen verrät sich schamhafte Zurückhaltung. So sehen wir an unserer Stelle die heilige Elisabeth, die sich doch Kindersegen wünschte, fünf Monate lang sich verbergen. Welch anderen Grund hatte ihre Verborgenheit als Schamhaftigkeit? Jedes Ding hat seine Zeit2, und was sich zu einer Zeit schickt, schickt sich nicht zu einer anderen, und das wechselnde Alter läßt oft die Natur des Handelns in verändertem Lichte erscheinen. So sind gerade auch der Ehe bestimmte Zeiten gesetzt, zu welchen die Kindererzeugung wohl am Platze ist: solange die Vollkraft der Jahre dauert3, solange Hoffnung auf Kindersegen besteht, solange erfahrungsgemäß Zeugungsfähigkeit statthat, mag auch dem Verlangen nach Geschlechtsverkehr stattgegeben werden. Sobald hingegen raschen Schrittes das Greisenalter genaht und damit die Zeit, die mehr für Kindererziehung als für Kindererzeugung sich eignet, sind die Anzeichen selbst eines erlaubten Beischlafes: die Schwangerschaft, die einem anderen Alter zusteht, der Schoß, der von einer Leibesfrucht schwillt, die nicht zu ihrer Zeit reift, etwas Beschämendes. Betagten Gatten zieht ja das Alter selbst die Grenze für die Verrichtung der ehelichen Werke und mahnt der mit Recht beschämende Verdacht der Unenthaltsamkeit hiervon ab. Selbst junge Gatten schützen zumeist das Verlangen nach Kindern vor und glauben so das Feuer ihres Alters mit dem Wunsche nach Kindersegen entschuldigen zu sollen: wieviel schmachvoller wäre für Betagte ein Tun, das selbst Jugendliche einzugestehen sich genieren! [S. 45] Noch mehr: selbst jugendliche Gatten, die in Entsagung ihr Herz aus Gottesfurcht abtöten, verzichten, sobald sie Nachkommen empfangen, gar häufig auf jene Werke der Jugend.

1: Luk. 1, 24 f.
2: Vgl. hierzu Orig. l. c. hom. V.
3: ‚anni vigent‛ an ‚aetas viget‛ bei Sall. Cat. 20, 10 erinnernd.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Bilder Vorlage

Navigation
Proömium
Erstes Buch, Luk. 1, 1...
. 1. Der Prolog zum Evan...
. 2. Zacharias und Elisa...
. 3. Ankündigung des ...
. 4. Die Strafe des Zach...
. 5. Die Empfängnis ...
. . 43.
. . 44.
. . 45.
. . 46.
Zweites Buch, Luk. ...
Drittes Buch, Luk. ...
Viertes Buch, Luk. ...
Fünftes Buch, Luk. ...
Sechstes Buch, Luk. ...
Siebtes Buch, Luk. ...
Achtes Buch, Luk. 16,1...

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger