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Ambrosius von Mailand (340-397) - Lukaskommentar (mit Ausschluß der Leidensgeschichte)
Erstes Buch, Luk. 1, 1―25
2. Zacharias und Elisabeth; des Zacharias Opfer und Engelserscheinung, Luk. 1, 5―12: Eltern und Ahnen der Stolz der Kinder. Die Ruhmestitel und der religiöse Erbadel des Täufers (15 f.). Die Möglichkeit eines sündelosen Lebenswandels nach Taufe und Bekehrung (17). Das „Gerechtsein vor Gott“: Gott urteilt nach der inneren Absicht, nicht nach dem äußeren Erfolg (18—20). Des Täufers Lob bei Lukas ein ,volles Lob‛ (21). Zacharias anscheinend ein Hoherpriester. Der durch das Los erkorene, wechselnde Hohepriester im Alten Bunde Typus des ewigen Hohenpriesters Christus im Neuen Bunde (22—23). Der biblische Begriff ‚erscheinen‛. Theophanien, Engelserscheinungen. Vorbedingungen des Schauens Gottes und der Engel (24―27). Die ,Rechte‛ Metapher für Huld und Hilfe Gottes (28).

18.

Nicht umsonst nannte sie (der Evangelist) „gerecht vor Gott1, wandelnd in den Geboten und Urteilen des Herrn‟. Er redet also hier vom allmächtigen Vater und dem Sohne. Daß der Sohn es ist, der das Gesetz gegeben, die Gebote vorgeschrieben, erklärt hiermit auch der heilige Evangelist. Und zutreffend heißt es: „gerecht vor Gott‟. Denn nicht jeder, der vor dem Menschen gerecht ist, ist auch vor Gott gerecht. Anders sehen die Menschen, anders Gott: die Menschen ins Gesicht, Gott ins Herz. Und so kann es geschehen, daß mir einer, der sich vor den Leuten als gut ausgibt, als gerecht erscheint, aber nicht gerecht vor Gott ist, wenn seine Gerechtigkeit nicht der Ausdruck der [S. 27] unverfälschten Gesinnung wäre, sondern auf heuchlerischer Verstellung beruhte; denn das Verborgene in ihr vermag der Mensch nicht zu schauen. Das vollkommene Lob liegt darum im „Gerechtsein vor Gott‟. Daher auch des Apostels Beteuerung: „(Das ist ein Jude,) dessen Lob nicht aus Menschen, sondern aus Gottes Mund kommt‟2. Selig fürwahr, wer in den Augen Gottes gerecht ist! Selig, wen der Herr des Wortes würdigt: „Sieh, ein wahrer Israelite, in welchem kein Falsch ist!‟3 Ein wahrer Israelite nämlich ist, wer Gott schaut und weiß, daß er von Gott geschaut wird, und ihm das Verborgene des Herzens aufdeckt4. Denn nur der ist ein vollkommener Mensch, der von jenem erprobt erscheint, der nicht getäuscht werden kann. Denn „die Urteile des Herrn sind wahr‟5, die Urteile der Menschen aber beruhen oft auf Täuschung, so daß sie häufig ebenso Ungerechten den Vorzug der Gerechtigkeit zuschreiben, wie sie den Gerechten mit Haß verfolgen oder mit Lüge anschwärzen. „Der Herr aber kennt die Wege der Makellosen‟6 und hält den, der Lob verdient, nicht für einen Sünder und den Sünder nicht für des Lobes würdig, sondern (beurteilt) jeden nach Maßgabe der in Frage kommenden Verdienste; denn er ist Zeuge des Denkens und Handelns zugleich. Gottes Urteile bemessen das Verdienst des Gerechten nach der Beschaffenheit seiner Absicht, keinesfalls nach dem Ausgang seines Handelns. Vielfach wird ja eine gute Absicht durch den Ausgang einer anfechtbaren Handlung verkannt oder aber ein ruchloser Gedankenanschlag durch eine glänzende äußere Tat verschleiert. Doch selbst dein gutes Tun kann, wenn dein Denken böse ist, durch Gottes Urteil nicht gebilligt werden; denn es steht geschrieben: „Was recht ist, dem sollst du auf rechte Weise nachtrachten‟7. Bestände nicht die Möglichkeit, Rechtes auf unrechte Weise zu tun, würde niemals gesprochen worden sein: „Was recht ist, dem sollst du auf rechte Weise nachtrachten‟. Daß sicher Rechtes [S. 28] auch auf unrechte Weise geschehen kann, hat uns der Erlöser selbst mit der Mahnung gelehrt: „Wenn du Almosen gibst, so posaune nicht vor dir her, und wenn ihr betet, so seid nicht wie die Heuchler!‟8. Etwas Gutes ist die Mildtätigkeit, etwas Gutes das Gebet, aber es kann auf unrechte Weise geschehen, wenn man etwa einem Armen aus Prahlerei geben wollte, um von den Leuten gesehen zu werden.

1: „vor Gott‟ aus Röm. 2, 13 eingeschoben.
2: Röm. 2, 29.
3: Joh. 1, 47.
4: Vgl. 1 Kor. 14, 25.
5: Ps. 18, 10 [hebr. Ps. 19, 10].
6: Ps. 36, 18 [hebr. 37, 18].
7: Deut. 16, 20.
8: Matth. 6, 2. 5.

 

 

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