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Johannes von Damaskus († 750) - Genaue Darlegung des orthodoxen Glaubens (Expositio fidei)
Viertes Buch

IX. KAPITEL. Von dem Glauben und der Taufe

1 Wir bekennen eine Taufe „zur Vergebung der Sünden 2“ und zum ewigen Leben. Die Taufe bedeutet den [S. 197] Tod des Herrn 3. Wir werden nämlich durch die Taufe mit dem Herrn begraben, wie der göttliche Apostel 4 sagt. Gleichwie nun der Herr einmal gestorben ist, so müssen auch wir einmal getauft werden, getauft werden aber nach dem Worte des Herrn auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes 5, wodurch uns das Bekenntnis des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes gelehrt wird. Alle also, die auf den Vater, Sohn und Hl. Geist getauft und über die eine Natur der Gottheit in drei Personen belehrt sind und trotzdem sich wieder taufen lassen, die kreuzigen Christus von neuem, wie der göttliche Apostel sagt: „Denn es ist unmöglich, die, die einmal erleuchtet worden usf., wieder zur Buße zu erneuern, weil sie für sich Christus von neuem kreuzigen und zum Gespötte machen 6.“ Alle, die nicht auf die heilige Dreifaltigkeit getauft sind, die müssen wiedergetauft werden. Denn wenn auch der göttliche Apostel sagt: „Wir sind auf Christus und seinen Tod getauft 7, so sagt er doch nicht, die Anrufung bei der Taufe müsse in dieser Weise geschehen 8, sondern die Taufe sei ein Bild des Todes Christi. Durch die drei Untertauchungen deutet nämlich die Taufe die drei Tage an, in denen der Herr im Grabe lag. Auf Christus getauft sein bedeutet also im Glauben an ihn getauft werden. Unmöglich aber ist es, an Christus zu glauben, wenn man nicht gelernt hat, Vater, Sohn und Hl. Geist zu bekennen. Denn Christus ist der Sohn des [S. 198] lebendigen Gottes 9, den der Vater mit dem Hl. Geiste gesalbt hat, wie der göttliche David sagt: „Darum hat dich Gott, dein Gott, mit dem Öl der Freude gesalbt vor deinen Genossen 10.“ Und Isaias 11 [sagt] in der Person des Herrn: „Der Geist des Herrn ist über mir. Darum hat er mich gesalbt.“ Da jedoch der Herr seinen Jüngern die Anrufung lehrte, sprach er: „Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes 12.“ Denn Gott hat uns zur Unsterblichkeit geschaffen 13, nach Übertretung seines heilsamen Gebotes aber zur Vergänglichkeit des Todes verurteilt, damit das Böse nicht unsterblich sei. Da er jedoch barmherzig ist, ist er zu den Knechten herabgestiegen; er ist uns gleich geworden und hat uns durch sein eigenes Leiden vom Verderben erlöst. Er ließ uns aus seiner heiligen, unbefleckten Seite 14 eine Quelle der Vergebung entspringen: Wasser zur Wiedergeburt und Abwaschung der Sünde und des Verderbens, Blut zum Trank, der ewiges Leben vermittelt. Er hat uns den Auftrag gegeben, wir sollen durch Wasser und Geist wiedergeboren werden 15, indem durch Gebet und Anrufung der Hl. Geist zum Wasser hinzukommt. Da der Mensch zweifach ist, aus Seele und Leib [besteht], gab er uns auch eine zweifache Reinigung, durch Wasser und Geist 16: der Geist erneuert in uns die Form des Bildes und Gleichnisses, das Wasser aber reinigt durch die Gnade des Geistes den Leib von der Sünde und befreit ihn von der Vergänglichkeit; das Wasser stellt das Bild des Todes dar, der Geist aber reicht das Pfand des Lebens.

Am Anfang „schwebte der Geist Gottes über den Wassern 17“. Und von Anfang an stellt die Schrift dem Wasser das Zeugnis aus, daß es ein Reinigungsmittel ist. [S. 199] Durch Wasser tilgte Gott zu Noës Zeit die Sünde der Welt 18. Durch Wasser wird nach dem Gesetz jeder Unreine gereinigt, selbst die Kleider werden mit dem Wasser gewaschen 19. Elias zeigte, daß die Gnade des Geistes mit dem Wasser in Verbindung stehe: mit Wasser verbrannte er das Brandopfer 20. Und fast alles wird nach dem Gesetz mit Wasser gereinigt. Denn das Sichtbare ist Sinnbild des Geistes. Die Wiedergeburt geschieht an der Seele. Der Glaube kann uns, obwohl wir Geschöpfe sind, durch den Geist zu Söhnen (Kindern) machen und zur ursprünglichen Seligkeit führen.

Die Vergebung der Sünden wird allen in gleicher Weise durch die Taufe verliehen, die Gnade des Geistes aber „nach Maßgabe des Glaubens 21“ und der vorhergehenden Reinigung. Jetzt also empfangen wir durch die Taufe „die Erstlingsfrucht, den Hl. Geist 22“, und die Wiedergeburt ist für uns Anfang eines andern Lebens und Siegel und Schutzwehr und Erleuchtung.

Wir müssen aber mit aller Kraft uns selbst „in sicherem Gewahrsam“ rein von schmutzigen Werken „halten 23“, um nicht wie ein Hund wieder zum eigenen Gespei zurückzukehren 24 und uns abermals zu Sklaven der Sünde zu machen. Denn „Glaube ohne Werke ist tot 25“, gleichwie auch Werke ohne Glauben. Der wahre Glaube bewährt sich durch die Werke.

Wir werden auf die heilige Dreieinigkeit getauft. Denn das, was getauft wird, bedarf zu seinem dauernden Bestand der heiligen Dreieinigkeit, und es ist unmöglich, daß die drei Personen nicht beisammen sind. Ungetrennt ist ja die heilige Dreiheit.

Die erste Taufe war die der Sintflut zur Tilgung der Sünde 26. Die zweite war die [Taufe] durch das Meer und die Wolke 27. Die Wolke war nämlich das Sinnbild des Geistes, das Meer das des Wassers. Die dritte war die gesetzliche. Denn jeder Unreine wusch sich mit Wasser und wusch seine Kleider, und so trat er in das [S. 200] Lager ein 28. Die vierte war die des Johannes. Sie war eine einführende, sie führte die, die sich taufen ließen, zur Buße 29, auf daß sie an Christus glaubten. „Ich“, sagt er, „taufe euch mit Wasser. Der nach mir kommt“, sagt er, . . . „der wird euch mit Hl. Geist und Feuer taufen 30.“ Johannes reinigt also durch Wasser voraus zum Empfang des Geistes. Die fünfte war die Taufe des Herrn, mit der er sich selbst taufen ließ. Er läßt sich taufen, nicht als bedürfte er selbst einer Reinigung, sondern weil er meine Reinigung sich zueignet, um die Köpfe der Drachen im Wasser zu zermalmen 31, um die Sünde abzuwaschen und den ganzen alten Adam im Wasser zu begraben, um den Täufer zu heiligen, um das Gesetz zu erfüllen 32, um das Geheimnis der Dreieinigkeit zu offenbaren, um uns ein Vorbild und Beispiel zu werden, daß wir uns taufen lassen. Auch wir werden mit der vollkommenen Taufe des Herrn getauft, mit der durch Wasser sowohl als [mit der] durch Geist. Mit Feuer aber, heißt es, taufe Christus, weil er in Gestalt feuriger Zungen die Gnade des Geistes über die heiligen Apostel ausgoß, wie der Herr selbst sagt: „Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet nach wenigen Tagen mit heiligem Geist und Feuer getauft werden 33“, oder wegen der Straftaufe des künftigen Feuers. Die sechste ist die durch Buße und Tränen, in der Tat eine mühselige. Die siebente ist die durch Blut und Martyrium, mit der auch Christus selbst sich für uns taufen ließ. Sie ist ja sehr erhaben und selig, da sie durch keine zweite Befleckung mehr besudelt wird 34. Die achte, die letzte 35, ist nicht heilbringend. Sie hebt zwar die Bosheit auf, denn nicht mehr waltet da Bosheit und Sünde, aber sie straft ohne Ende.

[S. 201] In körperlicher Gestalt wie eine Taube kam der Hl. Geist [auf Christus] herab 36, er zeigte die Erstlingsfrucht unserer Taufe an und ehrte den Leib. Denn auch dieser, nämlich der Leib, war durch die Vergottung Gott, und außerdem pflegte ehedem eine Taube das Aufhören der Flut zu verkünden 37. Auf die heiligen Apostel aber kommt er in feuriger Gestalt herab 38. Denn er ist Gott, „Gott aber ist ein verzehrendes Feuer 39.“

Das Öl wird zur Taufe genommen, weil es unsere Salbung anzeigt, uns zu Christen (Gesalbten) macht und uns durch den Hl. Geist das Erbarmen Gottes verheißt. Es hat ja auch die Taube den aus der Flut Geretteten einen Ölzweig gebracht 40.

Johannes ward durch Auflegung seiner Hand aufs göttliche Haupt des Herrn und durch sein eigenes Blut 41 getauft.

Man darf die Taufe nicht verschieben, wenn durch Werke der Glaube der Hinzutretenden bezeugt ist. Wer hinterlistig zur Taufe tritt, wird, weit entfernt, einen Nutzen davon zu haben, vielmehr verdammt werden.

1: Bornhäuser (a. a. O. S. 56 ff.) hat gesehen, daß Johannes in seinen Ausführungen über die Taufe in weitgehendem Maße mit Athanasius übereinstimmt, daß er aber auch manches Besondere hat.
2: Matth. 26, 28; Mark. 1, 4; Luk. 3, 3; Apg. 2, 38.
3: Röm. 6, 4.
4: Kol. 2, 12.
5: Matth. 28, 19.
6: Hebr. 6, 4 ff.
7: Röm. 6, 3.
8: Johannes wendet sich hier gegen die Taufe „im Namen Jesu“ oder „im Namen Christi“, über die schon in der ältesten christlichen Zeit Zeugnisse vorliegen. Siehe darüber Schermann, Die allgemeine Kirchenordnung, frühchristliche Liturgien und kirchliche Ueberlieferung. Zweiter Teil. Frühchristliche Liturgien (Studien zur Geschichte und Kultur des Altertums), Paderborn 1915, S. 168 ff. bzw. S. 304 ff. Hier ist auch die einschlägige Literatur angegeben. In späterer Zeit galt die Formel „im Namen Jesu“ oder „im Namen Christi“ als gültige Taufform.
9: Matth. 16, 16.
10: Ps. 44, 8 [hebr. Ps. 45, 8].
11: Is. 61, 1.
12: Matth. 28, 19.
13: Weish. 2, 23.
14: Vgl. Joh. 19, 34.
15: Ebd. [Joh.] 3, 5.
16: Greg. Naz., Or. 40, 8. Migne, P. gr. 36, 368 AB.
17: Gen. 1, 2.
18: Gen. 6, 17; 7, 10 ff.
19: Lev. 15, 10 ff.
20: 3 Kön. 18, 32 ff. [= 1 Kön. nach neuerer Zählart].
21: Röm. 12, 6.
22: Ebd. [Röm.] 8, 23.
23: Apg. 16, 23.
24: 2 Petr. 2, 22.
25: Jak. 2, 26.
26: Gen. 7, 17 ff.
27: 1 Kor. 10, 2.
28: Lev. 15, 5 ff.
29: Luk. 3, 3.
30: Matth. 3, 11; Mark. 1, 7 ff.
31: Ps. 73, 13 [hebr. Ps. 74, 13].
32: Vgl. Matth. 5, 17; Röm. 13, 8; Gal. 5, 14.
33: Apg. 1, 5.
34: Das kursiv Gedruckte wörtlich aus Greg. Naz., Or. 39, 17 Migne, P. gr. 36, 356 A.
35: D. i. die Taufe mit dem ewigen Feuer.
36: Luk. 3, 22; Matth. 3, 16; Mark 1, 10; Joh. 1, 32.
37: Gen. 8, 11. Das kursiv Gedruckte wörtlich aus Greg. Naz., Or. 39, 16 Migne, P. gr. 36, 353 B.
38: Apg. 2, 3.
39: Deut. 4, 24; Hebr. 12, 29.
40: Gen. 8, 11. Ob Johannes hier die Ölsalbung unmittelbar vor der Taufe meint oder die Chrismation nach der Taufe, die seit dem 4./5. Jahrhundert als eigener, von der Firmung getrennter Ritus erscheint, ist nicht klar. Freilich, wenn Dölgers (Der Exorzismus im altchristlichen Taufritual, Paderborn 1909, S. 137 ff.) Behauptung, die Ölsalbung vor dem Taufakt habe den Charakter eines Exorzismus gehabt, in vollem Umfang zu Recht besteht, dann kommt nur die Chrismation in Betracht. An die Firmsalbung ist wohl nicht zu denken, da Johannes ausdrücklich hervorhebt, daß das Öl zur Taufe genommen wird.
41: Matth. 14, 10; Mark. 6, 27.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger