Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Johannes von Damaskus († 750) - Genaue Darlegung des orthodoxen Glaubens (Expositio fidei)
Viertes Buch

VI. KAPITEL. Wann hat Christus seinen Namen erhalten?

Die Vernunft (νοῦς) [nous] wurde nicht, wie einige falsch lehren 1, vor der Annahme des Fleisches aus der Jungfrau mit dem Gott-Logos geeint und seit damals Christus genannt. Diese Ungereimtheit gehört zu den Albernheiten des Origenes, der eine Präexistenz der Seele lehrte. Wir aber sagen, der Sohn und das Wort Gottes sei Christus geworden, seitdem er im Schoße der heiligen, immerwährenden Jungfrau Wohnung nahm und ohne Verwandlung Fleisch wurde, und das Fleisch mit der Gottheit gesalbt wurde. „Denn diese ist die Salbung der Menschheit“, wie Gregor der Theologe 2 sagt. Und der so heilige Cyrill von Alexandrien 3 sagt in einem [S. 193] Schreiben an den Kaiser Theodosius (II.) also: „Nach meiner Ansicht wenigstens darf man weder das aus Gott gezeugte Wort ohne Menschheit, noch den aus dem Weibe geborenen Tempel ohne Einigung mit dem Worte Christus Jesus nennen. Denn unter Christus versteht man das in heilsordnungsmäßiger Einigung auf unaussprechliche Weise mit der Gottheit verbundene Wort aus Gott.“ Und an die Kaiserinnen 4 [schreibt er]: „Einige sagen, der Name Christus komme auch dem allein und an und für sich gedachten und existierenden, aus Gott Vater gezeugten Worte zu. Wir aber sind nicht gelehrt worden, so zu denken oder zu reden. Denn wir sagen, das Wort sei damals, als es Fleisch geworden, auch Christus Jesus genannt worden. Weil er von Gott dem Vater mit dem Freudenöl, d. h. mit dem Geiste gesalbt worden ist 5, darum heißt er Christus. Daß aber die Salbung das Menschliche betraf, daran zweifelt wohl keiner von denen, die richtig zu denken gewohnt sind.“ Und der allberühmte Athanasius 6 sagt in seiner Abhandlung über die heilbringende Erscheinung [Christi] etwa so: „Der präexistierende Gott war vor seinem Leben im Fleische nicht Mensch, sondern er war Gott bei Gott, unsichtbar und leidenslos. Wie er aber Mensch geworden, wird ihm der Name Christus des Fleisches wegen beigelegt, da dem Namen das Leiden und der Tod folgen.“

Zwar sagt auch die Hl. Schrift: „Deshalb hat dich Gott, dein Gott, mit dem Freudenöl gesalbt 7.“ Allein man muß wissen, daß die Hl. Schrift oft die Vergangenheit statt der Zukunft gebraucht, so z. B.: „Danach ward er auf Erden gesehen und ist unter den Menschen gewandelt 8.“ Denn Gott ward noch nicht gesehen und [S. 194] ist nicht unter den Menschen gewandelt, als dieses gesagt wurde. Ferner: „An den Flüssen Babylons saßen wir und weinten 9.“ Denn das war noch nicht geschehen.

1: Origenes.
2: Or. 30, 21 (Migne, P. gr. 36, 132 B).
3: De recta fide ad Theodos. n. 28 (Migne, P. gr. 76, 1173 C). Doctr. Patr. de incarn. Verb. p. 26, II.
4: De recta fide ad Reginas n. 13 (Migne, P. gr. 76, 1220 C). Doctr. Patr. p. 26, III. Unter den Kaiserinnen sind die beiden jüngeren Schwestern des Kaisers Theodosius II. gemeint, Arkadia und Marina.
5: Ps. 44, 8 [hebr. Ps. 45, 8]; Hebr. 1, 9.
6: Contra Apollinar. 2, 1 (Migne, P. gr. 26, 1133 B). Doctr. Patr. de incarn. Verb. p. 25, 22—25 u. 26, 1.
7: Ps. 44, 8 [hebr. Ps. 45, 8].
8: Bar. 3, 38.
9: Ps. 136, 1 [hebr. Ps. 137, 1].

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung
Bilder Vorlage

Navigation
Erstes Buch
Zweites Buch
Drittes Buch
Viertes Buch
. . I. KAPITEL. Vom Zustand ...
. . II. KAPITEL. Vom Sitzen ...
. . III. KAPITEL. Gegen ...
. . IV. KAPITEL. Warum ...
. . V. KAPITEL. Gegen die,...
. . VI. KAPITEL. Wann hat ...
. . VII. KAPITEL. Gegen ...
. . VIII. KAPITEL. Wie ...
. . IX. KAPITEL. Von dem ...
. . X. KAPITEL. Vom Glauben.
. . XI. KAPITEL. Vom Kreuze. ...
. . XII. KAPITEL. Von der ...
. . XIII. KAPITEL. Von ...
. . XIV. KAPITEL. Vom Gesc...
. . XV. KAPITEL. Von der ...
. . XVI. KAPITEL. Von den ...
. . XVII. KAPITEL. Von ...
. . XVIII. KAPITEL. Von ...
. . XIX. KAPITEL. Gott ...
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger