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Märtyrerakten - Die Akten des Hl. Pionius und seiner Genossen

21.

So ging der große Mann, den Christen als Vorbild, den Heiden als Augenweide, nicht wie die andern zum Tode, nicht mit wankenden Schritten, zitternden Knien und gelähmten Gliedern. Nicht wurde sein Geist in der Vorahnung des Leidens bedenklich und auch hinderte das übrige beim Herannahen der Todesschrecken seinen Schritt nicht, sondern in schnellem Gange, mit heiterem Angesichte, ruhigen Sinnes und entschlossenen Mutes schritt er zum Tode. Und als er beim Ziele angelangt war, entblößte er sich selbst, ehe noch der Aufseher es befahl; beim Anblicke seines reinen und unbefleckten Leibes richtete er seine Augen zum Himmel und dankte Gott, daß er durch seine Frömmigkeit so bewahrt worden war. Angekommen am Scheiterhaufen, den heidnische Wut errichtet hatte, richtete er seine Glieder zurecht, um mit Balkennägeln angeheftet zu werden. Als das Volk ihn nun angenagelt sah, rief es aus Mitleid oder auch aus Besorgnis: Geh in dich, Pionius, die Nägel werden weggenommen, wenn du zu tun versprichst, was dir befohlen ist. Darauf sagte er: Ich fühle die Wunden und weiß wohl, daß ich angenagelt bin. Nach einer Weile sagte er: Vor allem aus dem Grunde leide ich den Tod, damit das ganze Volk erkenne. daß es eine Auferstehung nach dem Tode gibt. Darauf wurden Pionius und der Priester Metrodorus1 mit den Pfählen, an die sie angenagelt waren, aufgerichtet und es kam Pionius zur Rechten, Metrodorus zur Linken zu stehen, Augen und Herz gegen Osten gewendet. Als nun Holz herzugetragen wurde und das Feuer durch untergelegte Nahrung Kraft bekam und der brennende Scheiterhaufen in verheerender Flamme krachte, betete Pionius mit geschlossenen Augen stille zu Gott um einen guten Tod. Gleich darnach sah er mit heiterem Blick das gewaltige Feuer an und hauchte mit dem Worte Amen seine Seele aus, indem er seinen Geist dem empfahl, der ihm den verdienten Lohn zu geben, von Seelen aber, die wegen ihrer Ungerechtigkeit verurteilt sind, Rechenschaft zu fordern versprochen hat, mit den Worten: Herr, nimm meine Seele auf!

1: aus der Sekte der Markioniten

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger