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Märtyrerakten - Die Akten der Hl. Perpetua und Felizitas

10.

Am letzten Tage vor unserem Kampfe sah ich in einer Erscheinung folgendes. Der Diakon Pomponius trete an die Türe des Kerkers und klopfe heftig; ich ging zu ihm hinaus und öffnete ihm; er trug ein weißes, ungegürtetes Gewand mit allerlei Verzierungen am unteren Saume. Er sprach zu mir: Perpetua, dich erwarten wir, komm! Er hielt mich bei der Hand und wir fingen an, auf rauhen und windungsreichen Wegen zu gehen. Kaum waren wir endlich keuchend am Amphitheater angekommen, da führte er mich mitten in den Kampfplatz und sagte zu mir: Fürchte dich nicht; ich bin hier bei dir und helfe dir im Streite; dann ging er fort. Und ich sehe eine gewaltige, erstaunte Volksmenge. Und weil ich wußte, daß ich zu den Tieren verurteilt worden war, wunderte ich mich, daß keines von diesen auf mich losgelassen wurde. Es kam aber ein Ägypter heraus, häßlich von Ansehen, der mit seinen Helfern gegen mich kämpfen sollte; es kamen aber auch schöne Jünglinge zu mir, um mir zu helfen und mich zu schützen; ich wurde entkleidet und war ein Mann. Meine Beschützer fingen an, mich mit Öl einzureiben, wie man das zum Wettkampfe zu tun pflegt; meinen Gegner dagegen, den Ägypter, sehe ich sich im Sande wälzen. Dann kam ein Mann heraus, gewaltig groß, derart, daß er sogar den Giebel des Amphitheaters überragte; er hatte auf seinem Gewande Purpur, zwischen den zwei Purpurstreifen noch mitten auf der Brust und unten am Gewande allerlei Anhängsel von Gold und Silber; er trug auch einen Stab wie ein Kampfrichter und einen grünen Zweig, an dem goldene Äpfel hingen. Er gebot Stillschweigen und sagte: Wenn der Ägypter da diese überwindet, wird er sie mit dem Schwerte töten; überwindet sie ihn, bekommt sie diesen Zweig. Dann ging er zurück. Wir traten einander gegenüber und begannen den Faustkampf; er suchte mir die Füße zu fassen, ich aber stieß ihn mit den Fersen ins Gesicht; ich wurde von der Luft in die Höhe gehoben und fing an, ihn so zu schlagen, als wenn ich nicht mehr auf der Erde stände; als ich aber Zeit fand, schlug ich die Hände zusammen, Finger an Finger, und faßte seinen Kopf; da fiel er auf das Angesicht und ich trat ihn auf den Kopf. Das Volk fing an zu schreien und meine Beschützer an zu singen; ich aber trat herzu zum Kampfrichter und empfing den Zweig. Er küßte mich und sagte zu mir: Tochter, der Friede sei mit dir! Und ruhmvoll schritt ich zum sanavivarischen Tore hin. Da erwachte ich und erkannte, daß ich nicht gegen die Tiere, sondern gegen den Teufel kämpfen werde; aber ich wußte auch, daß mir der Sieg bevorstand. Das habe ich am Tage vor dem Festspiele geschrieben; was aber beim Festspiele selbst geschieht, möge aufschreiben, wer will.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger