Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Märtyrerakten
Martyrium des Hl. Apollonius

1.

Martyrium des heiligen und hochberühmten Apostels Apollonius, des Asketen. Gib Deinen Segen, Herr!

Als unter Kaiser Kommodus sich eine Verfolgung gegen die Christen erhoben hatte, war ein gewisser Perennis Prokonsul von Asien. Der Apostel Apollonius aber, ein frommer und gottesfürchtiger Mann, Alexandriner von Geburt, wurde ergriffen und vorgeführt.

1. Als dieser vorgeführt worden war, sagte der Statthalter Perennis: Apollonius, bist du Christ? 2. Apollonius antwortete: Ja, ich bin Christ und darum verehre und fürchte ich Gott, der Himmel und Erde und das Meer und alles, was darin ist, gemacht hat.

3. Der Statthalter Perennis sagte: Ändere deinen Sinn und folge mir, Apollonius, schwöre bei der Glücksgöttin unseres Herrn, des Kaisers Kommodus. 4. Apollonius der Asket antwortete: Höre mich aufmerksam an, Perennis, ich will dir in ernster und gesetzlicher Rechtfertigung Rede und Antwort stehen. Wer von gerechten, guten und bewundernswerten Geboten Gottes seinen Sinn abwendet, der ist gesetzlos, sündhaft und in Wahrheit gottlos; wer aber von jeder Ungerechtigkeit, Gesetzlosigkeit, Götzendienerei und von bösen Gedanken sich abwendet, die Herrschaft der Sünden flieht und nicht mehr zu ihnen zurückkehrt, ein solcher ist gerecht. 5. Und glaube uns, Perennis, auf Grund dieser Rechtfertigung, daß wir die ehrwürdigen und trefflichen Gebote von dem göttlichen Logos gelernt haben, der alle Gedanken der Menschen kennt.

6. Außerdem sind wir von ihm angewiesen worden, in keiner Weise zu schwören, sondern in allem wahrhaft zu sein. Denn ein großer Eid ist die in dem "Ja" liegende Wahrheit, und darum ist es für einen Christen schimpflich, zu schwören. Verlangst du aber von mir einen Eid darüber, daß wir auch den Kaiser ehren und für seine Macht beten, so will ich gerne in Wahrheit schwören bei dem wirklichen Gott1 , dem Seienden, der von Ewigkeit her ist, den nicht Menschenhände gemacht haben, der im Gegenteil selbst angeordnet hat, daß ein Mensch über Menschen auf Erden herrsche.

7. Der Statthalter Perennis sprach: Was ich dir sage, tu und geh in dich, opfere den Göttern und dem Bilde des Kaisers Kommodus. 8. Apollonius aber entgegnete lächelnd: Über Sinnesänderung und Eid habe ich mich vor dir gerechtfertigt, in betreff des Opfers aber höre: Ein unblutiges und reines Opfer bringen auch ich und alle Christen dem allmächtigen Gotte dar, dem Herrn über Himmel und Erde und alles, was Leben hat, ein Opfer, das besonders in Gebeten besteht für die geistigen und vernünftigen Ebenbilder2 , die von der göttlichen Vorsehung zum Herrschen auf Erden gesetzt sind. 9. Darum beten wir täglich nach Vorschrift rechten Gebotes zu Gott, der im Himmel wohnt, für Kommodus, der auf dieser Erde herrscht, indem wir sicher wissen, daß er nicht von einem anderen, sondern einzig nach dem Willen des unbesiegbaren Gottes, der, wie ich vorhin sagte, alle Dinge umfaßt, die Herrschaft auf Erden ausübt.

10. Der Statthalter Perennis sprach: Ich gebe dir Zeit, Apollonius, damit du mit dir selbst wegen deines Lebens zu Rate gehest. 11. Und nach drei Tagen befahl er, ihn vorzuführen; es war aber eine große Menge von Senatoren, Ratsherren und hochgelehrten Leuten anwesend. Und nachdem er den Befehl gegeben hatte, ihn zu rufen, sprach er: Die Akten des Apollonius sollen verlesen werden. Nach ihrer Verlesung fragte der Statthalter Perennis: Was hast du bei dir beschlossen, Apollonius? 12. Apollonius antwortete: In der Gottesfurcht zu verharren, ganz wie du es in den Akten in richtiger Meinung über uns festgestellt hast. 13. Der Statthalter Perennis sprach: Wegen des Senatsbeschlusses rate ich dir, deinen Sinn zu ändern und die Götter zu verehren und anzubeten, die wir Menschen alle verehren und anbeten, und wie wir zu leben.

14. Apollonius antwortete: Ich kenne den Senatsbeschluß, Perennis, allein ich wurde gottesfürchtig, um nicht Götzenbilder anzubeten, die von Menschenhänden gemacht sind. Darum werde ich niemals Gold oder Silber oder Erz oder Eisen oder hölzerne und steinerne sogenannte Götter anbeten, die weder sehen noch hören, weil sie Werke von Handwerkern, Goldgießern und Drechslern sind, Kunstprodukte von Menschenhänden, und sich nicht selbst in Bewegung setzen können. 15. Dagegen diene ich Gott, der im Himmel ist, und bete ihn allein an, ihn, der allen Menschen den Atem des Lebens eingehaucht hat und allen Tag für Tag das Leben spendet. 16. Keinesfalls also werde ich mich selbst erniedrigen, Perennis, und mich nicht auf den Schutt werfen; denn es ist schmählich, etwas anzubeten, was entweder auf gleicher Stufe steht mit Menschen oder wenigstens tiefer steht als die Dämonen. Denn es verfehlen sich die gar zu unterwürfigen Menschen, wenn sie das anbeten, was künstlich zusammengefügt ist: einen kalten Ausschnitt aus einer Steinmasse, dürres Holz, hartes Metall und entseelte Gebeine; was soll der Schwindel eines solchen Betruges? 17. In ähnlicher Weise beten die Ägypter ein Becken, die bei vielen genannte Fußschale, nebst anderen Scheußlichkeiten an; welche Einfalt eines solchen Mangels an Bildung! Die Athener verehren noch jetzt den ehernen Schädel eines Rindes, den sie das Glück der Athener nennen; also ist es ihnen nicht möglich, zu ihren eigenen3 zu beten. Solche Dinge müssen am meisten denen, die auf sie vertrauen, Schaden der Seele bringen. 19. Denn wodurch unterscheiden sich diese Dinge von getrocknetem Ton und zerbröckelnder Scherbe? Zu Dämonenbildern beten sie, die nicht hören, gerade als wenn sie hörten, die nicht fordern und nichts gewähren. Denn in Wahrheit ist ihre Gestalt erlogen: sie haben Ohren und hören nicht, Augen und sehen nicht, Hände und strecken sie nicht aus, Füße und gehen nicht. Die Gestalt nämlich schafft ihr Wesen nicht um. Zur Verhöhnung der Athener scheint mir auch Sokrates bei der Platane geschworen zu haben, einem wildwachsenden Holze.

20. Zweitens hinwiederum sündigen die Menschen gegen den Himmel droben, wenn sie selbst das anbeten, was durch Wachstum zustande kommt: die Zwiebel und den Knoblauch -- die Gottheit der Pelusier, Dinge, die in den Bauch eingehen und in den Abort ausgeworfen werden.

21. Drittens sündigen die Menschen gegen den Himmel droben, wenn sie das anbeten, was unter den Begriff des Sinnbegabten fällt: Fisch und Taube, die Ägypter Hund und Hundsaffe, Krokodil und Rind, Giftschlange und Wolf, Abbilder ihrer eigenen Gewohnheiten.

22. Viertens sündigen die Menschen gegen den Himmel droben, wenn sie das anbeten, was seinem Wesen nach vernünftig ist: Menschen, die in ihrer Wirksamkeit Dämonen sind; Götter nennen sie solche, die früher Menschen waren, wie ihre Mythen beweisen. Denn von Dionysus sagt man, er sei zerrissen, und von Herakles, er sei lebendig auf den Scheiterhaufen gebracht, von Zeus, er sei in Kreta begraben worden; in Übereinstimmung damit sind auch ihre Namen in den Mythen, durch die ihre Namen klar werden, gestaltet worden. Besonders wegen ihrer Unheiligkeit lehne ich sie ab.

23. Der Statthalter Perennis bemerkte: Apollonius, der Senatsbeschluß lautet: Christen dürfen nicht sein. 24. Apollonius der Asket entgegnete: Aber der Ratschluß Gottes kann von einem menschlichen Ratschlusse nicht aufgehoben werden. Denn je mehr man die, welche an ihn glauben, die nichts Übles tun, ohne Recht und Urteil tötet, desto mehr wird ihre Zahl von Gott gemehrt. 25. Ich möchte ferner, o Perennis, daß du dir darüber klar werdest, daß Gott, der über alle herrscht, über Könige, Senatoren und Großmächtige, über reich und arm, frei und unfrei, groß und klein, weise und einfältig, einen Tod gesetzt hat, und nach dem Tode das Gericht über alle Menschen stattfinden soll. 26. Es gibt aber einen Unterschied hinsichtlich des Todes. Darum sterben die Schüler unseres Logos täglich den Lüsten ab, indem sie ihre Gelüste durch Enthaltsamkeit zügeln und nach den göttlichen Vorschriften zu leben sich vornehmen. Und glaube uns wirklich, Perennis, weil wir nicht lügen: Es gibt auch nicht ein Stücklein ausschweifenden Vergnügens bei uns, vielmehr entfernen wir jeden schändlichen Anblick aus unseren Augen, die uns zu verführen suchen, damit unser Herz unverwundet bleibe. 27. Bei solchen Lebensgrundsätzen halten wir, o Statthalter, das Sterben um des wahrhaftigen Gottes willen nicht für ein Unglück; denn was wir sind, das sind wir um Gottes willen; darum ertragen wir auch alles, um nicht unglückselig zu sterben. 28. Denn mögen wir leben oder sterben, wir sind des Herrn4 ; oft kann auch Ruhr und Fieber den Tod bringen; ich werde also annehmen, ich würde von einer dieser Krankheiten dahingerafft. 29. Der Statthalter Perennis sagte: So entschlossen stirbst du gern? 30. Apollonius antwortete: Ich lebe gern, Perennis, jedoch so, daß ich den Tod nicht fürchte aus Liebe zum Leben. Denn nichts ist schätzenswerter als das Leben. Ich meine aber das ewige Leben, das die Unsterblichkeit der Seele ist, die das gegenwärtige Leben gut verbracht hat. 31. Der Statthalter Perennis sagte: Ich weiß nicht, was du sagst, und verstehe nicht, worüber du mir rechtliche Auskunft gibst. 32. Apollonius erklärte: Wie habe ich Mitleid mit dir, daß du so unempfindlich bist gegen die Herrlichkeiten der Gnade! Denn eines sehenden Herzes ist der Logos des Herrn, wie sehender Augen das Licht, da ein Mensch nichts nützt, wenn er zu Unempfänglichen spricht, ebenso wie das Licht, wenn es Blinden aufleuchtet. 33. Ein kynischer Philosoph bemerkte: Apollonius, du spottest deiner selbst; denn du steckst tief im Irrtume, wenn du auch gedankentief zu reden glaubst. 34 Apollonius entgegnete: Ich habe zu beten gelernt und nicht zu spotten; die Heuchelei, die in dir ist, beweist die Blindheit deines Herzens, wenn du dich hinreißen lässest zur Fülle mäßigen Geredes. Denn den Toren muß die Wahrheit wirklich als Gespött erscheinen.

35. Der Statthalter Perennis sagte: Auch wir wissen, daß der Logos Gottes der Erzeuger des Leibes und der Seele ist, der erkennt und lehrt, was Gott angenehm ist. 36. Apollonius sprach: Dieser unser Erlöser Jesus Christus, als Mensch geboren in Judäa, in allem gerecht und erfüllt mit göttlicher Weisheit, lehrte uns menschenfreundlich, wer der Gott des Weltalls und welches der Endzweck der Tugend zu einem heiligen Leben ist, in Anpassung an die Seelen der Menschen. Durch sein Leiden hat er der Herrschaft der Sünden ein Ende gemacht. 37. Er lehrte nämlich, den Zorn zu bändigen, die Begierde zu mäßigen, die Gelüste zu zügeln, die Traurigkeit zu bannen, verträglich zu sein, die Liebe zu mehren, die Eitelkeit abzulegen, sich nicht zur Rache gegen Beleidiger hinreißen zu lassen, den Tod auf Grund eines Richterspruches zu verachten, nicht weil man Unrecht getan hat, sondern indem man es geduldig erträgt, ferner dem von ihm gegebenen Gesetze zu gehorchen, den Kaiser zu ehren, Gott aber, der allein unsterblich ist5 , anzubeten, an die Unsterblichkeit der Seele und eine Vergeltung nach dem Tode zu glauben, einen Lohn für die Tugendbestrebungen zu erhoffen nach der Auferstehung, die von Gott denen zuteil werden soll, die fromm gelebt haben.

38. Indem er dieses uns nachdrücklich lehrte und durch viele Beweise uns davon überzeugte, erwarb er sich selbst großen Ruhm der Tugend, wurde aber auch von den Ungelehrigen beneidet, wie schon die Gerechten und Philosophen vor ihm; denn die Gerechten sind den Ungerechten verhaßt. 39. Wie es auch ein Wort ist, daß Toren ungerecht sprechen: Lasset uns den Gerechten binden, weil er uns unangenehm ist. 40 Auch bei den Griechen sagt einer, wie wir hören: Der Gerechte, sagt er, wird gegeißelt, gefoltert, gefesselt, an beiden Augen geblendet, zuletzt, nachdem er alles Üble erlitten hat, gekreuzigt werden. 41. Wie daher die athenischen Ankläger gegen Sokrates ein ungerechtes Urteil abgaben, nachdem sie auch das Volk gegen ihn aufgebracht hatten, so haben auch über unsern Lehrer und Erlöser einige von den Verruchten ihr Urteil abgegeben, nachdem sie ihn gefesselt hatten, wie auch gegen die Propheten, die vieles Treffliche über den Mann geweissagt hatten, daß ein solcher kommen werde, in allem gerecht und tugendhaft, der allen Menschen Wohltaten erweisen und sie zum Zwecke der Tugend anleiten werde, den Gott aller zu verehren, den wir zuerst ehren, weil wir seine heiligen Gebote kennen gelernt haben, die wir nicht kannten, und wir sind nicht im Irrtum. 42. Und wenn das ein Irrglaube ist, wie ihr meint, die Ansicht, die Seele sei unsterblich und es gebe nach dem Tode ein Gericht und eine Belohnung der Tugend in der Auferstehung und Gott sei der Richter, so werden wir gerne diese Täuschung hinnehmen, durch die wir am meisten das tugendhafte Leben kennen gelernt haben in der Erwartung der zukünftigen Hoffnung, wenn wir auch das Gegenteilige leiden.

43. Der Statthalter Perennis sagte: Ich glaubte, Apollonius, du seiest endlich von diesem Vorsatze abgekommen und verehrtest mit uns die Götter. 44. Apollonius antwortete: Ich hoffte, o Statthalter, daß dir fromme Gedanken kommen und die Augen deiner Seele durch meine Verteidigungsrede erleuchtet seien und daß dann dein Herz Frucht bringe, Gott den Schöpfer aller Dinge anbete und ihm allein täglich durch Almosen und Menschenfreundlichkeit die Gebete darbringe, Gott als ein unblutiges und reines Opfer. 45. Der Statthalter Perennis sagte: Ich möchte dich freigeben, Apollonius, werde aber daran gehindert durch den Entscheid des Kaisers Kommodus; ich will aber Humanität walten lassen in der Ausführung der Todesstrafe. Und er gab ein Zeichen gegen ihn, des Märtyrers Schenkel sollten zerschmettert werden. 46. Apollonius aber der Asket sprach: Ich danke meinem Gotte, Statthalter Perennis, mit allen, die Gott den Allmächtigen und seinen eingeborenen Sohn Jesus Christus und den Heiligen Geist bekennen, auch für diesen deinen für mich heilbringenden Urteilsspruch.

47. Ein solch ruhmreiches Ende erlangte mit nüchterner Seele und vorbereitetem Herzen dieser sehr heilige Kämpfer, der auch Asket heißt. Der bestimmte Tag aber an welchem er, mit dem Bösen ringend, den Kampfpreis des Sieges davontrug, ist heute erschienen. Wohlan denn, Brüder, wir wollen durch das Andenken an seine herrlichen Taten unsere Seele zum Glauben stärken und uns als Liebhaber solcher Gnade darstellen durch die Barmherzigkeit und Gnade Jesu Christi, mit welchem Gott dem Vater und dem Heiligen Geiste Ehre und Macht sei von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Es litt aber der dreimal selige Apollonius der Asket nach römischer Berechnung am 11, vor den Kalenden des Mai, nach asiatischer aber im achten Monate, nach unserer Zeitrechnung unter der Herrschaft Jesu Christi, dem Ehre sei in alle Ewigkeit!

1: vgl. Matth. 5, 34 u 37
2: Gottes
3: Göttern
4: vgl. Röm. 14,8
5: vgl. 1.Tim.6,16

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Bilder Vorlage

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger