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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Erstes Buch
XIX. Kapitel

94.

1. Mag man es nun Zufall nennen, wenn die Griechen einige Lehren der wahren Philosophie ausgesprochen haben, so gehört der Zufall zu Gottes Weltordnung (denn niemand wird den Zufall zu einem Gott machen wollen, nur um gegen uns Recht zu behalten), oder mag man es ein glückliches Zusammentreffen nennen, so kann ein solches Zusammentreffen nicht ohne die Vorsehung erfolgen.

2. Mag man nun anderseits sagen, die Griechen hätten eine natürliche Begabung gehabt, so wissen wir, daß nur Einer der Schöpfer der Natur ist, und er ist geradeso, wie wir auch von einer natürlichen Gerechtigkeit gesprochen haben;1 wenn man ferner sagt, sie hätten einen gesunden Menschenverstand gehabt, so wollen wir bedenken, wer dessen Vater und der Vater der durch "die Verteilung des Verstandes"2 vermittelten Gerechtigkeit ist.

3. Wenn aber jemand von Vorhersage spricht oder ein Zusammentreffen in den Aussagen als Grund angibt, so nennt er damit Erscheinungsformen der Weissagung. Andere freilich behaupten, daß manche Lehren der Philosophen ein Abbild der Wahrheit seien.

4. Der göttliche Apostel schreibt ja von uns: "Wir sehen jetzt wie in einem Spiegel",3 von dem unser Bild zurückgeworfen wird, so daß wir uns selbst erkennen und infolge des in uns vorhandenen Göttlichen damit zugleich den schöpferischen Urgrund, soweit es möglich ist, erblicken können.

5. Denn es heißt: "Du sahst [S. 85] deinen Bruder, du sahst deinen Gott."4 In diesem Falle wird, wie ich glaube, der Heiland für uns als Gott bezeichnet.

6. Nach dem Ablegen des Fleisches aber (werden wir schauen) "von Angesicht zu Angesicht",5 dann in der Tat völlig scharf und richtig, wenn unser Herz rein geworden ist.6

7. Sowohl in der Art von Spiegelbildern als auch in der Art von Bildern, die durch einen Stoff hindurchschimmern, erblicken die sorgfältigen Forscher unter den griechischen Philosophen Gott. Die infolge des Unvermögens (des Sehenden) unvollkommenen Bilder der Wahrheit7 sind nämlich derartig, wie ein Bild im Wasser zu sehen ist und wie wir manches8 durch die durchscheinenden und durchsichtigen Körper hindurch sehen.9

1: Vgl. Strom. I 34,4.
2: Vgl. Platon, Gesetze IV p. 714 A.; Anon. Iambl. p. 98,14 Pistelli.
3: 1 Kor 13,12.
4: Vgl. Strom. II 70,5; vgl. Th. Zahn, Gesch. des ntl. Kanons I 174 Anm. 2; Resch Agrapha, Log. 65 S. 296 f.; 2. Aufl. Agraphon 144 S. 182; Ropes, Sprüche Jesu S. 49; Historia monach. in Aegypto, herausg. von E. Preuschen, S. 48,9; Dorotheos, Migne P. Gr. 88, 1796 (Theol. Litztg. 1930, 256).
5: 1 Kor 13,12.
6: Vgl. Mt 5,8.
7: Es ist (xxx) zu lesen.
8: Statt [(xxx)] ist (xxx) zu lesen.
9: Vgl. Platon, Staat VI p. 510 A; VII p. 532 C; 515 E; 516 B.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger